Der große Tag
Lieber Professor von Ye Siyuan (Benno), bei diesem Eintrag handelt es sich um den Blog von Dr. Mehrens, der mit Benno zusammen die Kinder-Uni auf die Beine gestellt hat. Dieser Text entstand für eine DAAD-Publikation und wurde von mir überdies Benno für seinen Praktikumsbericht zur Verfügung gestellt. Es handelt sich bei Siyuans Bericht also mitnichten um eine Kopie aus dem Internet.
Nanjing (Bericht des sin-o-meter-Korrespondenten). Mit zwei Fachvorträgen zu ökologischen Fragestellungen trug sich die Universität Nanjing nach Schanghai und Wuhan in die Liste der Hochschulstandorte ein, die im Rahmen der DuC-Nachhaltigkeitsinitiative Ausrichter einer Kinder-Universität wurden. Das Programm stieß auf beachtliche Resonanz. 
Da staunten auch die altehrwürdigen Gemäuer der Universität Nanjing nicht schlecht, als an einem sonnigen Samstag mitten im goldenen Oktober fast achtzig Kinder zwischen 13 und 16 Jahren einen ihrer Hörsäle stürmten, um an der ersten an dieser Universität veranstalteten DuC-Kinder-Uni teilzunehmen. Unter dem Motto Umwelt in Bewegung setzten der Kinder-Uni-erprobte Leiter des Schanghai-Hamburg-Büros Lars Anke und der frisch gebackene National Friendship-Preisträger Prof. Dr. Bernd Wünnemann die inhaltlichen Akzente. Anke, der unter dem Titel Umweltfreundliche Stadtentwicklung in anschaulicher Form Chancen und Vorteile des ökologischen Wohnungsbaus erläuterte, gehört zu den Pionieren der Kinder-Uni-Arbeit in China und hatte bereits der Kinder-Uni in Schanghai 2010 in Verbindung mit der EXPO seinen Stempel aufgedrückt. Auch der mit der höchsten von der Regierung der Volksrepublik China an Ausländer zu vergebenden Auszeichnung geehrte Geo-Wissenschaftler Wünnemann war in Schanghai bereits als Kinder-Uni-Referent im Einsatz. Der deutsche Langzeitdozent für physische Geografie prägte nach einem Buffet auf Einladung des sin-o-meter, bei dem die Kinder sich im Anschluss an den anspruchsvollen Vortrag von Lars Anke stärken konnten, das Nachmittagsprogramm mit dem Themenschwerpunkt Trockenheit in China – eindrucksvoll und laiengerecht erläutert. Beide Vorträge honorierten die Schüler mit interessierten Nachfragen. Vor allem die sie unmittelbar betreffenden Informationen zum Wassermangel in China fanden im Anschluss an Prof. Wünnemanns Vortrag beachtlichen Widerhall unter den jugendlichen Gästen, womit sich erwies, dass ein Vortrag zum Thema Wüstenbildung noch lange kein trockenes Programm bedeutet.

Für das Rahmenprogramm hatte Kinder-Uni-Direktor Dr. Didus mit tatkräftiger Unterstützung von Prof. Dr. Chen und einiger jüngerer Kollegen des Universitätsinstituts für deutsche Philologie, deren Leiterin Frau Prof. Yin die Kinder-Universität gewohnt souverän eröffnete, sowie des eigens für die Veranstaltung eingestellten Assistenz-Projektmanagers Ye "Benno" Siyuan (Absolvent der SISU in Schanghai) einigen Aufwand betrieben, um die Deutsch-Schüler zu beeindrucken. Neben gemeinsam für die Kinder-Unis Wuhan (am 14. Okt.) und Nanjing (15. Okt.) hergestellten Kinder-Uni-T-Shirts, DuC-Mützen und -Schlüsselanhängern gab es ein extra für die Kinder-Uni produziertes Bändchen mit einer Erzählung von Friedrich Schiller, des berühmten Jenaer Hochschullehrers, mit dem in Ergänzung zu einer Sonderseite im Programmheft dezent auf die Vorzüge ostdeutscher Hochschulstandorte aufmerksam gemacht wurde. Hintergedanke: Programmhefte mögen eine eher kurze Lebensdauer haben, einen Schiller dagegen wirft man nicht so rasch weg.

Auch die örtlichen Medien waren auf die Veranstaltung aufmerksam geworden: Am Vormittag erschien die Kameramannschaft eines Jiangsuer Provinzsenders mit pädagogischem Schwerpunkt zu Dreharbeiten. Kinder-Uni-Chef Dr. Didus stand in einem Interview Rede und Antwort zur Idee der Kinder-Universität und zu den Vorzügen des Hochschulstandortes Deutschland. In Anbetracht des insgesamt außerordentlich positiven Verlaufs dieser zweisprachig durchgeführten Veranstaltung war umso mehr zu bedauern, dass Vertreter des Generalkonsulats Schanghai sowie hohe Vertreter der Universität Nanjing aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nicht persönlich zugegen waren. Der Leiter der Abteilung Kultur und Bildung des Generalkonsulats Schanghai, Wilfried Eckstein, richtete sich jedoch in einem Grußwort an die jungen Gäste, das Didus verlas.

Ein Ratespiel im Stil der legendären ZDF-Kindersendung "Eins, zwei oder drei" auf schwarz-rot-goldenen Lösungsfeldern, ein Wettrennen zum Auftakt des Nachmittagsprogramms, bei dem die traurige Geschichte der durch eine Baumaßnahme aus ihrem Heimat-Biotop vertriebenen Waldtiere Karl (Käfer), Lydia (Ameise) und Thekla (Spinne) erzählt wurde, sowie jede Menge Kinder-Joy-Überraschungseier rundeten das Programm ab, an dessen Ende die hoch erfreuten Teilnehmer mit speziellen Kinder-Uni-Diplomen in deutscher und chinesischer Sprache den Titel einer "Diplom-Nachwuchskraft für Umweltfragen" zuerkannt bekamen. Gerüchteweise war aus dem Umfeld der Organisatoren zu vernehmen, dass sich nach Abschluss der Veranstaltung in den Privatgemächern des Dr. Didus der Konsum von Produkten der Marke "Kinder" vervielfacht hat.
