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Montag, 21. November 2011

Das Bild hängt schief!
Von DM, 22:59

Es war doch nicht so eine gute Idee, heute Vormittag noch Unterricht zu geben, die Bibliothek zu öffnen und mich zeitgleich innerlich wie äußerlich auf die Reise nach Schanghai einzustellen, wo heute die jährliche Konferenz der Deutschdozenten beginnt. Ich renne zwischen Wohnung und Bibliothek hin und her wie das Spielzeug-Motorrad von Goebel-Chemie, das man durch Hin- und Herrollen des Hinterrades aufziehen konnte, bis es wie bekloppt durch die Wohnung schoss und irgendwann gegen die Wand donnerte. Als ich die Bibliothek das erste Mal verlasse, stehe ich draußen vor der Tür, habe gerade das Schnappschloss zugedrückt und stelle fest, dass ich meinen Schlüssel auf dem Schreibtisch liegen lassen habe. Ich renne zur Bibliotheksverwaltung. Zum Glück kann man mir aufschließen. Gegen elf kehre ich in die Bibliothek zurück, betreue einige Studenten, Yinuo zum Beispiel, die ein Gutachten benötigt und mir noch einige Informationen geben muss. Es ist schon später als geplant, als ich schließe. Und diesmal habe ich den Schlüssel in der Schublade eingesperrt, die man (da hier auch die Strafgelder der Studenten für verspätet zurückgegebene Bücher lagern) ebenfalls per Schnappschloss sichern kann. Mir bleibt nur eine Bruce-Lee-artige Gewaltaktion (die sich ein Stück weit auch gegen mich selbst richtet), um die Holzschublade völlig zu zertrümmern. Zwei Bretter, die vorher die Frontseite der Schublade bildeten, fliegen in die Ecke, der Schlüssel liegt tatsächlich dahinter. Ich lege den Schlüssel sonst nie da rein, aber das nützt mir jetzt auch nichts.
Zu Hause gehen noch mal dreißig Minuten verloren, weil ich mir Holzsplitter aus den Fingern operieren muss. Ich kann das nicht haben, dieses Gefühl, da sitzt was in mir drin, das nicht zu mir gehört! Diese Kettenreaktion von Ereignissen, die den ganzen geplanten Ablauf auf den Kopf stellt, erinnert mich an den Loriot-Sketch "Das Bild hängt schief". Ich müsste mir jetzt nur noch mit dem Operationswerkzeug ins Auge stechen, vor Schreck  rücklings in die Badewanne stürzen, dabei den Duschvorhang zerreißen und so weiter. Aber ich lasse die Satire mal lieber in dem Moment enden, da ich den größeren der beiden Splitter endlich zu fassen habe. Hans-Jo. würde das jetzt eine "Fleischwunde" nennen. Da ich gestern Abend nach einer kleinen Wanderung mit Huilin in Ermangelung eines Reisepasses, den man neuerdings für Zugreisen vorlegen muss, noch keine Fahrkarte kaufen konnte, hetzt mich ja auch nichts - Glück im Unglück.
Ich komme schließlich gegen 17.15 Uhr in Schanghai an. Leider finde ich dann aber doch nicht den Weg zur Fudan-Universität, dem Tagungsort, sondern irre mal wieder durch die Gegend. Dass Chinesen, die man nach dem Weg fragt, nie zugeben, nichts zu wissen, sondern einen lieber zum Mond schicken, macht die Sache auch nicht leichter. Am Ende bin ich aber doch am Ziel. Sabina (sin-o-meter berichtete) und zwei andere Schanghaier Kolleginnen entdecken mich als erste. "Du kommst genau richtig zum Essen!", begrüßt mich Sabina. Das Essen ist "mamahuhu". Nachdem ich die Yanjier Kolleginnen begrüßt habe, ist noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen: Ich darf der erfreuten Kollegin Stefanie E. den Kult-Pullover aushändigen, den sie vor einem Jahr am Tagungsort Nanjing im Hotel liegen ließ. Immerhin ein Trost: Missgeschicke widerfahren auch anderen.

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