Neues aus Chicago
Huang Fans Kollegin Danyu ruft mich aus Chicago an, wo sie im dritten Anlauf Theologie studiert. Ich erfahre einiges Neues: Ihre Mutter, die wegen Falun-Gong im Gefängnis saß, ist wieder frei, auch scheinen ihre Eltern nicht mehr an Scheidung zu denken. Sie hat schon wieder einen amerikanischen Verehrer, "Pastor" nennt sie ihn, einen Chinesen, der schon lange in den USA lebt. Trotzdem zögert sie, seine Eheersuchen anzunehmen. Er hat irgendeine Erbkrankheit, die sich auf gemeinsame Kinder übertragen könnte. Ein Problem, das ich vermutlich nicht lösen kann. Ich höre mir trotzdem alles geduldig an. Schließlich hat die leicht neurotische Autorin, die ich im Mai in meinem Gutachten für eine permanente Künstler-Aufenthaltsgenehmigung in den Vereinigten Staaten mit Iris Murdoch verglichen habe, noch die glorreiche Idee, mich in Deutschland zu besuchen. Ich habe zum Glück ja noch neun Monate Zeit, mir zu überlegen, was dagegen spricht. Das Gespräch dauert so lange, dass ich schon im Bus sitze und zufällig an der Wohnung ihrer Eltern vorbeifahre, als sie endlich nichts mehr zu berichten weiß. Ich verbringe den Rest des Tages auf dem Zijin-Berg.