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Samstag, 26. November 2011

Die Abenteuer von Tim und Struppi
Von DM, 23:59

Lange hat sie ja nicht durchgehalten. Gestern war sie noch betont einsilbig und hat selbst einfachste und auf Deutsch vorgetragene Fragen nicht beantwortet, wie zum Beispiel: "Habt ihr die letzte U-Bahn noch erwischt?" Heute dagegen feiert sie schon wieder mit uns: meine schwäbische YUST-Kollegin Ursula, die mich Mittwoch noch im Kniffel-Spiel geschlagen, danach aber das Wettrennen in der U-Bahn verloren hat. Ich lasse die Konferenz nämlich mit einer großen Sause ausklingen und habe Hongzhen zu diesem Zweck beauftragt, sieben Plätze in einem Restaurant in der Nähe des Renmin Gongyuan (wo, wie kürzlich sogar der SPIEGEL berichtete, chinesische Eltern einen Heiratsmarkt mit Zetteln an Wäscheleinen etabliert haben) oder doch eher in sicherer Distanz zum Renmin Gongyuan. Ich schwitze mich auf dem Weg dorthin halbtot. Als erste der geladenen Ex-Studentinnen, die jetzt in Schanghai arbeiten, taucht die seit zwei Jahren verehelichte (sin-o-meter berichtete am 28. Juni 2009) Li Jun auf, die ihren Lehrer schon früher gern mit Charme umwickelte (was nicht ganz wirkungslos blieb) und mich passend dazu heute mit einem Schal beschenkt. (Damit liegen Schals in der ewigen Rangliste der populären Geschenke junger chinesischer Damen an mich nahezu uneinholbar auf Platz eins - mein vierter Schal! Wenn Stenzi noch mit mir reden würde, müsste ich ihm glatt einen vermachen.) Li Jun hat rot gefärbte Haare und sieht blendend aus. "Schick", sage ich, "kommst du gerade vom Frisör?" Das Essen ist ein voller Erfolg, am Ende gelingt es mir sogar, Hongzhen ein Schnippchen zu schlagen und die Zeche (400 Yuan) zu zahlen. Das ist angemessen (dass ich zahle), denn Hongzhen verdanke ich einen wunderbaren Nachmittag. Damit meine ich nicht das Restaurant, das auch, aber vorher hat sie meine Jugend wieder zu Leben erweckt - in 3-D! Ich spreche natürlich von der sensationellen Steven-Spielberg-Verfilmung der unübertrefflichen Abenteuer von Tim und Struppi. Hongzhen hat durch Mitgliedschaft in einem Internetclub und Frühbucherrabatt doch tatsächlich eine Eintrittskarte für umgerechnet zwei Mark (weniger als zehn Prozent des Normalpreises) für mich ergattert. Dafür musste ich alleine sitzen, denn überraschend hatte sich noch eine Freundin mit angesagt. In der Nachmittagsvorstellung (Englisch mit chinesischen Untertiteln) ist das Kino selbst in Schanghai nicht ganz bis zum letzten Platz gefüllt, sodass ich meine Jacke in dem warmen Saal zum Glück auf einem freien Platz ablegen konnte. Es haben diesmal in meiner Nähe auch gar keine Chinesen während des Films telefoniert. Total ungewöhnlich! Nach dem Film half ich dann Hongzhen die Orientierung zu behalten und wir legten die Strecke zum Renmin Gongyuan zu Fuß zurück. Ganz schön warm wurde mir da mit dem Gepäck für eine Woche Konferenz auf dem Rücken. An die zwanzig Grad sind auch für diese Breitengrade im November etwas überraschend.

Leider ist Jahrgangs-Schönheitskönigin Yinji, frisch verheiratet, ausgefallen; außer Hongzhen sind Fenghua, ebenfalls frisch getraut, Shenling (sin-o-meter berichtete) und eben Li Jun gekommen. Natürlich muss ich mich als alter YUST-Betreuer auch noch mal rasch nach dem geistlichen Zustand der jungen Damen erkundigen. Da muss Fenghua mal eben rasch aufs Klo, aber das nützt ihr natürlich nichts. Sie muss hernach trotzdem erklären, dass ihr Ehemann noch keine Kirche von innen gesehen hat. Wenn das Herr Linke hört!, warne ich. Sollen sie doch eine Hauskirche eröffnen, rate ich. Ich glaube, Fenghua ist nach Themawechsel.
Inzwischen ist auch Ursula auf dem Weg, die sich per SMS immer noch lieber mit Hongzhen abstimmt als mit mir. Es ist auch noch genug zu essen da, als sie von einem Treffen mit einer anderen Studentin auftaucht. Wenig später muss ich dann allerdings abtauchen: zum Bahnhof. Ich sitze zehn Minuten vor Abfahrt schon auf meinem Platz im Zug nach Nanjing und sende Hongzhen eine SMS, damit sie sich nicht sorgt. Spannende Abenteuer, peinliche Pannen und überraschende Wendungen, die sind heute ganz und gar den Experten überlassen: Tim und Struppi. Die haben auch viel bessere Nerven als ich!

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