"Lektion 1: Herr Mehrens kommt immer später!"
Heute (Fr.) hatte ich einen Tief- und einen Höhepunkt: Tiefpunkt: Ich habe heute morgen glatt vergessen, dass ich vier Nachholstunden hatte, weil ich ja die erste Woche gefehlt hatte. Ich musste von nervösen Studenten und Kollegen aus dem Bett geklingelt werden. Dabei hatte ich noch Glück: Eigentlich hatte ich den Stecker meines Telefons rausgezogen, um in Ruhe meinen freien Tag genießen zu können. Schlafwandelnd fiel mir gegen 8 oder 9 ein, dass man den jetzt mal wieder einstecken könnte, weil ja immer mal was Dringendes sein kann. Kaum liege ich wieder, klingelt es. Und ich erfahre, dass ich seit ca. einer halben Stunde im Hörsaal stehen müsste. Der ist leider mit dem Bus eine Stunde entfernt. Nun aber zackig! Ca. 25 Minuten habe ich noch... Während ich im Bad noch mit der Zahnbürste in der Hand versuche halbwegs manierlich aus dem Haus zu kommen, klingelt das Telefon gleich wieder Sturm. Ich gehe schließlich ran: Die Dekanin des Fachbereichs macht auch noch mal mobil: "Endlich erreiche ich Sie!" Wo bleibe ich denn? Schließlich erreiche ich den Bus an der exakt zwölf Minuten entfernten Campus-Haltestelle und kann um 10 Uhr doch noch zwei der anberaumten Stunden halten. "Lektion 1: Herr Mehrens kommt immer später!" So hatte ich schon die Studenten am ersten Tag begrüßt (fanden sie lustig), als ich den Raum nicht finden konnte und zehn Minuten (und eine Woche) später kam...
Tja, jetzt muss ich noch 2 Stunden nachholen. Wieder außerplanmäßig. Wenn das mal gut geht...
Heute Abend beim noblen Empfang mit Mega-Büffet für alle neuen ausländischen Lehrkräfte war das vergessen. Auch die Dekanin, eine entfernte Verwandte im 27. Grad (oder so) von Konfuzius (kein Scherz!), war schon wieder ganz entspannt. Durch das Zusammentreffen so vieler fremdsprachiger Leute unter einem Dach konnte ich, glaube ich, eine Premiere feiern und am selben Tag in fünf verschiedenen Sprachen weitgehend (Ausnahme: Chinesisch) flüssig kommunizieren. Es gab neben den unerlässlichen Amerikanern u.a. eine Spanisch-Dozentengruppe aus Kolumbien und einige aus Spanien (einer aus Malaga) sowie eine französischsprachige Dozentin aus Lausanne. Komisch, immer Leute aus Gegenden, die ich schon kenne (naja, Kolumbien nicht ganz, aber ich war ja in Ecuador, passt scho´). Entweder bin ich wirklich schon so viel rumgekommen - oder... naja... Der Herr lenkt unsere Geschicke eben doch....