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Dienstag, 09. September 2008

"Jetzt sind wir keine Studenten mehr!"
Von DM, 23:59

Nachdem ich in Dubai, beim Umsteigen in die Maschine nach China mit drei Stunden Aufenthalt, um Mitternacht noch sage und schreibe 32 Grad zu ertragen hatte, war es in Shanghai ja schon fast kühl! Warm war auf jeden Fall der Empfang: Gleich vier (ehemalige) Studentinnen des Jahrgangs 03 haben mich abgeholt - am Flughafen Pudong, nachmittags um 16 Uhr. Im Flieger saß ich übrigens inmitten einer Tai-Qi-Reisegruppe. Die in Biologie promovierende Krebsforscherin neben mir war aber auch noch nicht sicher, inwieweit sie diesem Denkmodell folgen soll. Ich sagte: Wenn Jesus nur ein spiritueller Lehrer ist, ist mir als Christ das zu wenig! Leider war ich für die Filme an Bord der Maschine zu müde: "Die Kinder von Huang Shi" (mit dem Hauptdarsteller aus "Matchpoint") spielt in China zur Zeit des Kriegs gegen Japan und scheint mir sehr interessant zu sein. Muss ich mir auf DVD besorgen! "Indiana Jones IV" hatte ich zum Glück schon in Wetzlar gesehen. Der Flieger war etwas verspätet. Aber das hatte ich der Studentin vorausgesagt, die sich angekündigt hatte. So haben sie nicht lange sinnlos gewartet. Eine Studentin war aus Nantong zu Besuch da. Am So. haben wir in meinem Hotel einen spontanen Mini-GoDi gefeiert, weil das in der nicht-r. Gemeinde zuletzt offenbar ein bisschen schwierig war. Ein weiterer Ex-Deutsch-Student aus Yanji, der inzwischen in Shanghai arbeitet, kam noch unvermittelt dazu. Da musste er dann durch. Sein Freund, ebenfalls 03er, musste alkoholgeschädigt passen. Wegen der Party am Sa. war auch von den beiden am Sa. keiner zu sehen gewesen. Eigentlich sollte ich nämlich bei ihnen übernachten. Stattdessen: besagtes Hotel für 200 Yuan (ca. 20 Euro) die Nacht. Zur Strafe musste er dann am So. den "Feuertopf" zahlen (ein Gericht, das funktioniert wie Fondue ohne Käse, nur viel üppiger an Zutaten; da kann man im Grunde alles reinschmeißen)! Und gleich stand noch ein Ex-Deutsch-Student, Ming Ri aus dem Jahrgang 02, in der Tür und staunte über das unverhoffte Wiedersehen (doppelt unverhofft - ich hatte ihn dereinst ganz schön mit Grammatik gequält). Gleich zweimal haben die Studenten mich zum Essen eingeladen. Ich wollte ja zahlen, aber keine Chance!... "Jetzt sind wir keine Studenten mehr und verdienen Geld!" Übrigens: Die Studenten weinen alle um das gute Essen in Yanji, das ihnen so fehlt. Und nach meinen bisherigen Erfahrungen muss ich sagen: mit Recht! In China, das sagen die Nanjinger auch, ist das Essen im Norden einfach besser.
Nachmittags ging es mit dem Zug - das Foto entstand vor dem Bahnof von Shangai - nach Nanjing, wo ich nach zwei Stunden Fahrt in einem Hitzestau-Keller auf ein Taxi warten musste, in einer Schlange mit ca. 150 Chinesen (gefühlt: 1500)! Da war ich ganz schön kaputt! Immerhin schleppte ich ja noch 15 kg Gepäck mit mir rum und dann meine arme Schulter!... Im Zug neben mir saß eine Studentin der Literaturwissenschaft aus Suzhou, die mit ihrem Akzent ganz schwer zu verstehen war. Aber immerhin kannte sie Goethe und Fallada. Dass sie Fallada gemeint haben musste, fiel mir aber erst ca. 24 Stunden später ein. Trotzdem war das schon ungewöhnlich: Eine Literaturstudentin ist in China nichts Alltägliches!...
Ich habe mich dann in Nanjing wie üblich allein durchgeschlagen. Und als ich den Deutsch-Fachbereich gefunden hatte, war, Sonntag nach Einbruch der Dunkelheit, natürlich niemand mehr da. Aber - o Wunder - nebenan saß noch eine Lehrerin in der Koreanisch-Abteilung. Und die stammte, wie ich sogleich erfuhr, aus Yanji! Sie kannte auch unseren legendären Uni-Präsidenten und natürlich unsere Uni dort. Mein erstes längeres Gespräch in Nanjing - ist das zu fassen! Der Mensch denkt, Gott lenkt, wie gesagt.
Nun bin ich in Nanjing und der erste Unterricht lief schon ganz gut. Ich knüpfe an alte Künste an: Regeln zur Abfassung der Abschlussarbeit... Dazu habe ich in Yanji dereinst ein Skript verfasst, das es daselbst noch gibt. Wie praktisch!
Meine Wohnung ist recht groß, über 60 qm, bräuchte aber ein paar Pinselstriche. Es wohnte eine Russin namens Leyla darin. Sie hat ein paar Spuren hinterlassen. Krimskrams in den Schubladen, Klebeflecken an den Wänden. Das Zimmer in Yanji war damals auch nicht tipptopp. Eine Klimaanlage gibt es nur im Schlafzimmer. Aber nachts benutze ich die derzeit gar nicht (ist das zu fassen!), weil es sich schon abkühlt, auch tagsüber unter 30 Grad.
Das einzige Problem: Ich habe seit meiner Rückkehr aus den USA 1988 nicht mehr so mit der Zeitumstellung zu kämpfen gehabt. Ich gehe um elf ins Bett und bin um eins wieder wach und das gleich für vier Stunden. Letzte Nacht habe ich vielleicht zwei Stunden geschlafen! Denn ich muss hier um sieben oder um acht schon anfangen. Dafür sind allerdings Do. und Fr. unterrichtsfrei. Ich habe dann aber noch die Bibliothek zu betreuen. Alles in allem gibt es keinen Grund, meiner "deutschen" Karriere nachzutrauern! Aber das hat wohl auch niemand von mir erwartet.

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