Großstadt-Freudiana
Der Vortrag des Psychoanalyse-Doktors aus Frankfurt über „Hero“ beginnt um 16 Uhr und der Hörsaal im vierten Stock der School of Foreign Studies ist bis zum letzten Platz gefüllt. Für mich ist nur noch ein kaputter Klappsitz übrig, auf dem man den Schwerpunkt geschickt ausbalancieren muss, damit man nicht wegsackt. Zauber-Professor und Strickjacken-Freund Hong führt den Referenten kurz ein, dann geht es los. Die Vorlesung (in diesem Fall wörtlich zu verstehen) wird durch lange Filmausschnitte immer wieder unterbrochen. Da hätte ich mir den Film ja gestern Abend gar nicht mehr anzuschauen brauchen!
Für Filmfreunde hier die Kurzfassung des Referats: Der namenlose Held ist namenlos, weil er ohne Vater und Mutter aufgewachsen ist, und schleppt Vateraggressionen von ödipalem Ausmaß mit sich herum, die er auf den König projiziert, der seine Familie auslöschen ließ. Sein Narzissmus reicht am Ende nicht aus, um den grausamen König zu ermorden, aber er reicht aus, um einen heldenhaften Freitod zu wählen. Oder so.
Die Fragen im Anschluss fallen aus, weil alle Studenten schnell zum Essen oder ins Wohnheim müssen. Außerdem, so sagen sie mir, sei das ja eine sehr komplizierte Thematik. Schlusswort von Karl Kraus (Dramatiker und Zeitgenosse Freuds): „Psychoanalyse ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält.“