Dann macht es BUMM!
Es hat gekracht. Instinktiv blicke ich, selbst gerade dabei, die riesige Kreuzung zwischen Guangzhou Lu und Shanghai Lu zu überqueren, da die Fahrbahn gerade frei zu sein schien, nach rechts in Richtung des Knalls und werde Zeuge des Zusammenstoßes einer jungen Motorroller-Fahrerin mit einem roten Auto. Da man ja hier üblicherweise geht oder fährt, wenn kein Auto kommt, weiß ich nicht mal, wer Schuld hat, aber ich glaube, das Auto hatte Grün. Drei, vier Meter weit wird das Kraftrad nach vorne geschleudert. Die Fahrerin (ohne Helm, ist hier nicht so üblich) ist derweil von ihrem Gefährt in ihre ursprüngliche Fahrtrichtung geworfen worden und liegt da erst mal verstört auf dem Asphalt, kommt aber schon wieder hoch. Der Fahrer hat gehalten und hilft. Warnblinker hat er vergessen (ist hier wohl auch nicht so üblich). Vielleicht, denke ich, sollte ich mir lieber doch kein Fahrrad zulegen hier. Schließlich neige ich ebenfalls dazu, bei Rot über die Ampel zu fahren. Ist in China ja auch ganz normal.
Bleiben wir erst mal zu Fuß unterwegs: Ich promeniere durch einen Park, der letztes Jahr neu angelegt wurde und noch nicht ganz fertig ist, und sinne über dies und jenes nach. Was habe ich eigentlich letztes Jahr um diese Zeit gemacht. Wie war das, als damals die Uhren plötzlich anfingen anders zu gehen? Und gingen sie danach richtig oder falsch? Hier gehen die Uhren auch anders, aber es gibt keine Sommerzeit (nur eine Stunde später Bundesliga). Ab und zu staune ich noch, dass Gott mich so mir nichts, dir nichts wieder nach China entlassen hat. Aber es ist ein guter Weg, den er mit mir geht. Und ich bin hier als Christ nicht allein: Heute Morgen im Gottesdienst der internationalen Gemeinde (Predigt von einem agilen Filipino) gab es eigens einen Empfang für allein stehende Leute. Ich lernte Afrikaner aus Ghana und Gabun, aus Nigeria, Simbabwe und der Zentralafrikanischen Republik kennen, eine Medizinstudentin aus Mikronesien (die ich nach dem Mückenbestand auf ihrem ach so paradiesischen Südsee-Eiland befragte), eine Neuseeländerin, natürlich auch ein paar Amerikaner und Amerikanerinnen (eine sieht aus wie Sandra Bullock) und: eine Schwäbin. Als ich sie um ihre E-Mail-Adresse bat (um eine weitere Sprachpartnerin für meine Studentinnen zu gewinnen), stellte sich heraus, dass wir kurz zuvor bereits per E-Mail miteinander kommuniziert hatten, weil sie schon auf meiner Kontaktliste stand. Ich bin ja hier auch so eine Art Koordinierungsstelle für deutsche Studenten. Diejenige, die mein Päckchen fand, fragte mich sogar, ob ich (ich: seit 6 Wochen hier) wisse, wo es hier einen des Englischen mächtigen Zahnarzt gebe. Sie hat ihn aber auch so gefunden und schrieb mir zum Beweis dessen eine Nachricht: „Wurzelbehandlung erfolgreich hinter mich gebracht, juhu!“