Grand Prix d'Asievision de la Chorégraphie
„Friendship with the Five Continents“ ist der Titel einer Gala aus Anlass des „30. Geburtstages freundschaftlichen Austausches der Provinz Jiangsu mit dem Ausland“. Eigentlich wollte ich beim Büro für ausländische Angelegenheiten nur fragen, ob mein Scanner schon repariert sei, da erfahre ich, man suche schon dringend nach mir. Es wird eilig telefoniert und ehe ich weiß, wie mir geschieht, führt mich eine Assistentin zum Ostausgang des Universitätsgeländes, wo ein Bus mit lauter ausländischen Professoren und Studenten auf mich wartet. Ich sitze neben einem Geologie-Professor, der Kurzzeitdozent in Nanjing ist. Als er erklärt, er komme aus Deutschland, können wir das Gespräch auf Deutsch fortsetzen. „In meinem Wohnheim war ein Zettel, der besagte, wir würden zu dem Empfang um 17.40 Uhr abgeholt“, erkläre ich. Aber die Zeit wurde geändert, sodass die ursprünglich mir mitgeteilte Zeit doch die richtige war. Was uns erwartet, wissen wir alle nicht, aber es wird was zu essen geben, und zwar, wie wir sogleich sehen, in einer Ausstellungshalle des Expo-Geländes Nanjing, einem riesigen, neu aus dem Boden gestampften Areal, das jetzt am Abend überall bunt leuchtet. In der mit rotem Teppich ausgelegten Halle befinden sich geschätzte tausend Leute an verschiedenen Tischen. Ich sitze zwischen Karen, einer Lehrerin aus den USA, die ich aus der St.-Paul's-Gemeinde kenne, und amerikanischen Studenten. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü und deutsches Brot (woher haben die das?), nebenbei halten die üblichen Repräsentanten der Provinzverwaltung die standesgemäßen Reden.
Das setzt sich auch im Stadion des Olympiazentrums fort, einer geschlossenen Arena. Doch dann verschwinden die offiziellen, roten Pappmaché-Aufsteller oder Spruchbänder und die Konferenzteilnehmer davor, um einer atemberaubenden Schau Platz zu machen: Künstler aus verschiedenen Ländern bieten einen Mix aus Musik, Akrobatik und Tanz. Ein Bilderrausch aus Farben, Funken und Figuren, der wegen seiner Vielfalt von ferne an den Grand Prix de la Chanson erinnert. Wie dort bleiben auch hier die Deutschen leider etwas blass: Eine Musik-Kapelle mit Mädchen in weißen Kniestrümpfen, kurzen blauen Röcken und weißen Hemden, die Männer passend dazu im weißen Hemd, sorgt dafür, dass das klassische Deutschlandbild ja nicht ins Wanken gerät. Wer solche Blasmusiker hat, braucht keine Klischees mehr! Naja, immer noch einen Tick besser als die No Angels! Auch das Fernsehen (die Rundfunkanstalt von Jiangsu) ist dabei und wirbelt mit Kameras auf der Bühne herum.
Ein Höhepunkt ist am Schluss, gegen 22.30 Uhr, natürlich mal wieder China: Ein Ausschnitt aus einer Peking-Oper wird gezeigt. Ihr kennt das: Da singt eine Frau in höchsten Quietscheentchen-Tönen und ist umgeben von kostümierten Hofschranzen und -schergen in traditioneller chinesischer Dynastiekluft. Ich denke: Tja, damals durften nur Männer in der Peking-Oper singen, das ist ja nun, wie man sieht (und hört), vorbei. Da wird die Sängerin nach der Darbietung von dem Moderatoren-Duo interviewt und entpuppt sich als Mann. Und der singt abschließend ein Duett mit sich selbst: als quietschhohe Frauenstimme und normale Männerstimme: wirklich beeindruckend!
Dass ich zuvor zweimal meine Eintrittskarte liegen ließ und erst mit einer Ersatzkarte ausgestattet doch noch zugelassen werden konnte, zuvor jedoch am Eingang als Depp vom Dienst zurückbleiben und schließlich in der Halle wegen der Kartennummer von allen anderen aus dem Bus getrennt sitzen musste, fällt da wirklich nicht mehr ins Gewicht.