Die Kücheninspektionsdelegation
Ja, es lebe die Sommerzeit. Wenn ihr die noch hättet da drüben, hätte ich schon um fünf ins Bett gekonnt. Stattdessen konnte ich mir bis halb vier die Nacht mit Korrekturen um die Ohren schlagen, bis endlich gebührenfrei, live und in Farbe das Fußballspiel Bundesliga-Tabellenzweiter (FC B) gegen Bundesliga-Tabellenführer (Hoffenheim) angepfiffen wurde. Wie das ausging und warum ich danach nicht sofort einschlafen konnte, ist ja inzwischen klar: 2:1 in der zweiten Nachspielminute für den Noch-Tabellenzweiten...
Seit einiger Zeit bekomme ich regelmäßig Anrufe von einer Studentin des dritten Studienjahrs. Das hat seinen Grund: Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus und das heißt in diesem Fall: Weihnachtsfeier. Die gibt es alljährlich unter Mitwirkung der meisten Deutsch-Studenten und einiger Professoren, insbesondere natürlich des Deutschen unter ihnen. Nun habe ich auch allmählich herausgefunden, was meine Rolle bei dem ganzen Theater sein wird: meine Küche zur Verfügung zu stellen, damit Glühwein im Akkord gekocht und in Thermoskannen umgefüllt werden kann.
Den Nachmittag habe ich bei sonnigem Wetter auf den Inseln im Xuanwu-See verbracht. Darauf habe ich lange gewartet. Im Dezember ist der Eintritt nämlich 10 Yuan billiger...
Am Abend kommt die dreiköpfige studentische Kücheninspektionsdelegation. Zunächst verpassen wir uns, weil ich am Nordtor statt am Südtor auf sie warte. Schließlich finden wir aber zusammen und nach der Begutachtung der Küche und Feststellung der Fehlbestände holen wir noch Weihnachtsschmuck aus der Bibliothek, der dort seit einem Jahr auf seinen Einsatz wartet. Zum Abendessen gehen wir zu Babela's, einem chinesischen Pizza-Restaurant. Wenn ich die Studenten jetzt gut behandle, behandeln sie vielleicht später auch meine Küche etwas besser, sage ich mir und schmeiß'ne Runde!