"Schacht! Schacht!"
Der schönste Moment der heute stattfindenden mündlichen Prüfungen, die ich zusammen mit einer deutschen Studentin durchführe, die Konversation unterrichtet, ist zweifellos, als die Studentin mit dem deutschen Namen Cecilia ihr Wunschlos zieht. Ich habe fünf Dialoge einüben lassen. Dann darf das Prüflingsduo zwei Lose ziehen und eines der beiden ausgewählten Themen ablehnen. Cecilia, die ohnedies mit fast akzentfreiem Deutsch (und auch sonst) zu entzücken weiß, springt vor Freude mehrfach in die Luft und ruft: „Schacht! Schacht!“ Gemeint ist ein Lehrbuchtext, in dem der garstige Herr Schacht durch unhöfliches und arrogantes Betragen seine Sekretärin zur Kündigung treibt und am Ende zerknirscht allein dasteht. Cecilie macht daraus mit ihrer kaum minder begabten Partnerin ein Zwei-Frau-Bühnenstück von hohem Lehr- und Mehrwert und voller Emotionen. Noch dramatischer war kurz zuvor übrigens die Darbietung von „Jenny“, die mit ihrer Partnerin ebenfalls Losglück hat und die Sekretärin so zusammenstaucht, dass sogar der Prüfer es mit der Angst zu tun bekommt. Schließlich weiß er, dass Jenny normalerweise brav und still im Unterricht sitzt und kein Wässerchen trüben kann.
Die Baozi (sin-o-meter berichtete) verschenke ich nachmittags an die Hilfsarbeiter, die mir die Waschmaschine des ausgezogenen Nachbarn und dessen Gasflasche in meine Wohnung getragen und installiert haben. Der Mann im Blaumann zögert erst irritiert, aber als ich erkläre, dass ich die Baozi ja wohl schlecht fünf Wochen lang bei mir in der Küche stehen lassen kann, ohne dass die Fleischfüllung Schaden nimmt (wofür ich im Chinesischen allerdings einfachere Worte finde), ist er dann doch willig. Kurze Zeit später sind die beiden Jungs wieder da und schließen die Waschmaschine am Wasserhahn an (was sie zunächst noch nicht zu können vermeinten). Baozi sind doch eine hilfreiche Angelegenheit!
Ansonsten korrigiere ich, bis ich weiße Mäuse sehe, und das wird heute, ich meine natürlich: morgen, um 3 Uhr in der Frühe passieren. Zum Glück hat mir mein Ex-Kollege Helmut aus Yanji eine geniale Excel-Datei kopiert, in der ich die Noten nur eintragen muss; Excel rechnet dann alles für mich aus. (Der Anruf bei Helmut erfolgte vor einigen Tagen, nachdem ich drei Stunden lang versucht hatte, mir so einen Excel-Notenrechner selbst zu erstellen. Gut, wenn man irgendwann einsieht, dass es Dinge gibt, die andere Menschen viel besser können als man selbst.)