Von teuren Frisören und schweren Lektüren
Ein Raunen, als ich frühmorgens den Unterrichtsraum betrete. „Was?“, frage ich die Studenten des zweiten Studienjahres. Keine Antwort. Die vermeintlich leichten Lektüren, die ich vor den Ferien ausgeteilt habe, erwiesen sich als schwere Lektüren. Die hat natürlich keiner geschafft. Zwei Studentinnen erkenne ich wegen neuer Frisur bzw. fehlender Brille (eine dritte hat sich ihre Augenschlitze erweitern lassen!) zunächst nicht wieder, aber die Namen kommen mir wieder in den Sinn, ehe es kritisch wird. Ich frage nach dem schönsten Ferienerlebnis und ergänze umsichtig: „Außer Schlafen und Fernsehen.“ Eines der Mädels mit neuer Frisur war auf einem berühmten Rummelplatz und dort vornehmlich in der Geisterbahn. Und eine Studentin aus Sichuan weiß zu berichten von dem Treffen mit einer Tante, bei dem es darum ging, eine Frau für ihren Bruder auszusuchen. (Es handelt sich bei ihrer Heimat um eine eher ländliche Gegend.) Mit anderen Worten, alle sind innerlich disponiert für neue Grammatik-Einheiten. Damit man nächste Ferien auch die Lektüren schafft.