"Congratulations, Mr. Zhou!"
Michael, der Engländer aus Sheffield, für den das Leben offensichtlich "eine einzige große Party ist, zu der man nur hingehen muss" (Martin S.), hat zu einer seiner legendären English Parties geladen. Da ich gerade nichts Besseres zu tun habe, finde auch ich mich erstmals dort ein, nachdem ich zunächst mal wieder etwas orientierungslos herumgeirrt bin, den richtigen Eingang zu dem im ersten Stock gelegenen Restaurant nicht gefunden habe und in einem Internetcafé gestrandet bin.
Rund zwanzig junge Leute sitzen um einen Tisch. Außerdem Michael, der übrigens dieses Jahr sein 70. Lebensjahr vollenden wird, und Geburtstagskind Herr Zhou, der gerade sein 83. Lebensjahr vollendet hat. Ich bekomme den Ehrenplatz neben ihm. Das bedeutet, Pommes und Pizzastücke landen zunächst direkt vor meiner Nase. Rasch komme ich dann auch mit Herrn Zhou in ein sehr angeregtes Gespräch über fundamentale Dinge. Zum Beispiel: Wieso gab es in China dieses schreckliche Erdbeben? Warum ließ Gott Jesus schon nach dreißig Erdenjahren sterben? Und wie kann ein von Menschen geschriebenes Buch göttliche Autorität haben? Ihr seht schon, der Abend war gerettet. Dafür hätten wir die Best-of-James-Last-DVD mit Mitschnitten legendärer Auftritte (Michael ist ein großer Freund von James)gar nicht mehr gebraucht, die im Hintergrund als Endlos-endlos-Schleife lief. Auch die liebenswerte Diana, die in Dublin Englisch lernt und nebenbei als Krankenschwester und Bardame arbeitet, und zwei weitere junge Damen, die an mir ihre Deutschkenntnisse ausprobieren, bleiben da nur Randfiguren. Man muss eben das Wichtige von Unwichtigem trennen können.
Auf dem Weg nach Hause (zu Dortmund gegen Hoffenheim, Endstand 0:0) überquere ich die Guangzhou Lu und wundere mich, was das hier plötzlich so komisch riecht, so nach Terpentin oder Farbe... Und was sollen eigentlich all diese Verkehrshüte auf dem Zebrastreifen? Und da sehe ich schon, dass ich mitten auf einem frisch gepinselten, noch feuchten Zebrastreifen-Streifen stehe! Und dann sehe ich sie, die Maler. Gerade sind sie auf der anderen Seite der Kreuzung am Malen. Und neben dem Maler kniet ein Hilfsarbeiter mit einer Terpentinflasche. Aufgabe: Die weißen Spuren von all den Deppen zu entfernen, die trotz der Hütchen einfach über die frischer Farbe laufen oder fahren. Leute wie mich. Habe doch immer gewusst, dass mein China-Aufenthalt Spuren hinterlassen würde.