Yangzhou, 1. Tag
Weil Montag wegen der chinesischen Spielart von Allerheiligen frei ist, fahre ich heute mit einem Bus vom Nanjinger Dongzhan nach Yangzhou, die malerische Stadt im Norden von Nanjing. Allerdings muss ich zuvor vier Stunden am Bahnhof herumlungern, weil ich erst den Bus um 19 Uhr nehmen kann. Vorher bin ich mal wieder auf Abwege geraten und in einem morastigen Stadtrand-Acker (Baugebiet) gestrandet, weil es da laut Karte einen Weg über oder unter dem Bahndamm geben sollte. Kann man total vergessen. Was ich erst bei meiner Rückkehr herausfinde, hätte mir diesen Stress ersparen können und kann zugleich als Tipp für Leute dienen, die durch Eingabe des Suchbegriffs "Reisen nach Yangzhou/Jiangsu" zum sin-o-meter gelangt sind: Vom Nanjinger Dongzhan kommt man mit Bus 28 sowohl zum Bahnhof (von dem aus ich heute zu Fuß gegangen bin) als auch zur Universität Nanjing. Bei völliger Dunkelheit komme ich in Yangzhou an und pilgere Richtung Innenstadt.
Wie mach' ich das nur immer? Ich muss einen eingebauten Sensor haben. Ich habe bereits einige Hotels links liegen gelassen und finde in der Wangyue Lu tatsächlich auf Anhieb ein Zimmer für nur 15 Yuan. So jedenfalls verspricht man es mir. Ist aber auch 'ne gruftige Absteige. Die Bude hat nicht mal 'n Fenster und auch kein Schloss in der Tür. Wie ich dann später herausfinde, finanziert der Laden sich wohl eher durch die Nebenkosten für besondere Dienstleistungen (wie Massage direkt auf dem Zimmer), für die ich natürlich gar keine Verwendung habe. Ich will nämlich nur Wolfsburg gegen Bayern sehen und kann durchaus nicht ahnen, dass ich danach doch eine Massage nötig habe, eine Seelenmassage nämlich. Nach dem Schock ist an eine gute Nacht nicht mal im Traum mehr zu denken. Es ist auch viel zu heiß in diesem lichtlosen Loch. (Die Hitze kommt in dieser Gegend so schnell, wie man das Licht anknipst.) Am nächsten Tag beim Ausbuchen muss ich dann hundert Prozent Aufschlag zahlen; wenn ich richtig verstanden habe, für die Bettwäsche. Stand wohl im Kleingedruckten.