Auf dem Friedhof
Liu Chao wird zur Touristin im eigenen Land und ich zum Touristen in der eigenen Stadt. Wir besuchen den Yuhuatai-Friedhof, der mit Aussichtsturm, Museum, Gedenkstätte und einem exakt 42,3 Meter hohen Mahnmal den Märtyrern von Maos Revolution gewidmet ist, strammen Kommunisten, die seinerzeit, Ende der zwanziger Jahre und Mitte der dreißiger Jahre, für ihren Glauben einfach hingerichtet wurden (von Angehörigen der Kuomintang, der nationalistischen Partei von Chiang Kai-shek). Liu Chao macht ungefähr eine Million Fotos. Die Fotos, die ich mache, sind angeblich von minderer Qualität, was ich nicht verstehe, denn das Lächeln der Chinesin im Bildmittelpunkt sieht auf allen Bildern immer hundertprozentig gleich aus. Was kann ich da noch falsch gemacht haben? Anschließend machen wir noch einen Abstecher zur Einkaufsmeile am Konfuzius-Tempel, wo dann zu vorgerückter Stunde irgendwann das einmillionste Foto entstanden sein muss, denn nach Sonnenuntergang leuchtet hier alles fotogen-farbenfroh wie am Piccadilly Circus. Dem hält kein chinesischer Auslöser auf Dauer stand.