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Donnerstag, 14. Mai 2009

Schöngeistiges mit Schildkröte in Schüsselchen
Von DM, 23:59

Noch ein Termin: Am Abend bin ich in einem feudalen Restaurant am Xuanwu-See dabei, als sich die Gäste – Marcel Beyer und seine Schweizer Freundin sind bereits abgereist – mit Vertretern des Yilin-Verlags treffen, des wohl angesehensten Verlags der Stadt. Ich bin bereits ein Begriff für die Cheflektorin, die beim Essen neben mir sitzt. Denn einerseits hat Professor Hong, der für den Verlag die „Pariser Lehrjahre“ übersetzt hat, jenes Buch, für das er mich vor drei Tagen letztmals kontaktiert hat, sich bereits lobend über mich geäußert und außerdem arbeiten auch noch zwei jüngere Kollegen des Deutsch-Instituts nebenher als Übersetzer für den Verlag, dessen Programm sich liest wie das kleine Einmaleins der europäischen Literaturgeschichte. Im Programm sind übrigens auch die NARNIA-Bücher von C.S. Lewis. „Harry Potter“ musste man indes der Pekinger Konkurrenz überlassen. Die Lektorin, Frau Lu, die ebenfalls bestens Deutsch spricht, ist eingeklemmt zwischen mir und dem Walser-und-Wolf-Biografen und kann keinen Widerspruch wagen, als wir den abwesenden Herrn Beyer unisono zum „kommenden Mann“ der deutschen Literaturszene erklären. „Da kommt noch ein großer Wurf“, töne ich und lasse das klingen, als sei nur Marcel Reich-Ranickis Urteil noch maßgeblicher als das meine. Und Herr Magenau kann das natürlich nicht anders sehen. Dass ich gerade auf Seite 200 seiner Walser-Biografie bin, hilft natürlich auch, solche Übereinstimmungen zu erzielen. Dass ich Marcel Beyer vor einem Jahr nur vom Hörensagen kannte, muss ja hier keiner wissen. Stattdessen gebe ich lieber zu: In dieser Liga  mitspielen zu dürfen (und auch zu können) bereitet mir einen Heidenspaß! Die Schildkröte im Schüsselchen rühre ich dagegen nicht an und mache mich lieber über die Datteln mit Reiseinlage her, die auch Professor Kautz so sehr zu schätzen weiß.
Nach so viel Fachsimpelei über Schöngeistiges wage ich natürlich kaum von meinen eigenen bescheidenen Ambitionen als Schriftsteller für Jugendliteratur zu reden. Auf dem Weg zurück am See entlang komme ich mit Frau Lu aber doch noch über dieses und jenes ins Gespräch. Man sollte mal in Verbindung bleiben, findet sie. Dem freundlichen Übersetzungs-Professor habe ich zum Abschluss noch eine Briefsendung nach Deutschland mit auf den Weg gegeben und ihm das Buch von Echo untergejubelt, ein Geschenk, das er ja ohnehin viel besser verwerten kann als ich.

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