Cathys Cousin und die Ton-Tortur
Dauerregen in Nanjing und Temperatursturz auf 18 Grad. (Wir waren letzte Woche schon bei 35!) Das Sprachtraining findet heute im Café Skyways, der deutsch-belgischen Bäckerei, einer Ausländer-Fundgrube, statt. Dieselbe Idee wie ich und Cathy alias Jiakun hat Cui Heng, eine meiner Studentinnen, die hier ihrerseits mit einer Deutschen den Sprachaustausch pflegt. Cathy bekommt einen Anruf von ihrem Cousin, der zwölf Jahre in Wien an einer Hochschule für Musik studiert hat und jetzt an der Musikhochschule von Nanjing unterrichtet, Schwerpunkt Jazz und Populärmusik. Wir sind geladen zu einer Darbietung von Gästen der Hamburger Musikhochschule im Auditorium der Hochschule.
Cathy traut ihren Ohren nicht und will schon nach dem dritten Stück das Weite suchen. Die Hamburger schlagen die Instrumente, anstatt ihnen friedvoll-heitere Harmonien zu entlocken: Zwölftonmusik und die Folgen. Ich beruhige Cathy mit der Erklärung: „Das ist Kunst!“ und wir bleiben bis zum Ende. Danach lädt uns Cathys Cousin in sein Büro ein und wir trinken einen Tee. Dann entschädigt er uns mit einem etwas gefälligeren Klavierstück für die erlittene Ton-Tortur.