Noch eine Schriftstellerin
Ein historischer Tag: Köhler wird zum zweiten Mal Bundespräsident, der VfL Wolfsburg zum ersten Mal Fußballmeister (mit einem Trainer, der das Handwerk des Erfolgs bei der erfolgreichsten deutschen Fußballmannschaft aller Zeiten gelernt hat, die sich diesmal mit Platz 2 begnügen muss). Und was macht Didus an so einem historischen Tag? Er trifft sich schon wieder mit einer Schriftstellerin, diesmal mit der zauberhaften Lu Min, die bereits seit zehn Jahren schreibt (davon fünf mit Erfolg) und inzwischen 60 Kurzgeschichten und fünf Romane veröffentlicht hat. Da kann ich mit meinen beiden Anthologie-Beiträgen wahrlich nicht mithalten. Im Oktober wird sie anlässlich des Erscheinens eines Bandes mit chinesischen Kurzgeschichten in deutscher Sprache, der einen Text von ihr enthält, für zehn Tage nach Frankfurt zur Buchmesse kommen. Vorher will 3-Sat in China einen Beitrag über sie drehen. Wir sprechen außerdem über die Filme Almodovars, Chen Kaiges und Zhang Yimous. Weil Lu Mins Englisch nicht so gut ist und ich mich immer wieder in Chinesisch versuchen muss, was gelegentliches Nachschlagen in meinem Vokabelheft einschließt, dauern meine Darlegungen etwas länger. Nachdem ich schließlich auch noch eine meiner jüngsten Plot-Ideen vorgetragen habe, ist meine Pizza endgültig kalt. „I hope to see you again“, verabschiedet sich die junge Autorin höflich, ehe sie zum nächsten Termin eilt. Wenn sie einem die Hand schüttelt, nimmt sie beide Hände wie ein Mädchen, das einen Unwilligen auf die Tanzfläche ziehen will.