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Donnerstag, 20. August 2009

Wie Didus es schaffte zweimal nicht ins Kino zu gehen und danach fast von der Polizei abgeführt wurde
Von DM, 23:59

Dieser Tag verdient eine so lange Überschrift! Dabei war der Beginn wolkenlos: Der rüstige Fahrrad-Rentner ist bereits vor mir aufgestanden; beim Frühstück sehen wir uns wieder. Dort nebeln mich dann jedoch Hispano-Nikotinsklaven mit blauem Dunst ein - wir sitzen wegen des heißen Wetters beim Frühstück im Freien - und Wespen lassen sich nur weglocken, wenn man seine Marmelade auf dem Nachbarplatz postiert. Trotzdem esse ich für den ganzen Tag. Was ich dabei noch nicht weiß: Ich werde meine Kräfte brauchen. Denn der Rest des Tages ist eine einzige Didus-Show.
Ich habe mir vorgenommen am Nachmittag die heute anlaufenden "Inglourious Basterds" anzuschauen und vorher meine Steuererklärung bei der Post aufzugeben. Aber da ist eine Riesenschlange vor mir. Ich trage am Tisch noch ein paar Daten nach. Dann dauert mir das aber doch zu lange und ich verlasse unverrichteter Dinge die Post. Leicht verspätet erscheine ich im Kino. Der Film hat zum Glück noch nicht angefangen. Aber: Ich habe meinen Brustbeutel mit dem Geld in der Herberge gelassen. Mit drei Euro ist nichts zu wollen. Ich kehre missmutig in die Herberge zurück. Inzwischen habe ich mir für 15 Uhr "Maria, ihm schmeckt's nicht" im CINEMA herausgesucht. Noch eine Stunde Zeit. Ich klebe also endlich meine Umschläge ans Finanzamt zu und frankiere fantasievoll mit den Marken, die ich am Automaten für mein Kleingeld kriege, weil man ja nirgends mehr ein Postamt findet. Und ab die Post! Passt scho', würde mein Zimmergenosse, der Franke, sagen, den ich noch einmal an der Rezeption sehe.
Der Film fängt angeblich ohne Werbung an und ich komme ca. 100 Minuten vor Abflug aus dem Kino, versichert mir der Student, der hinterm Tresen aushilft. Ich verschwinde im Kino. Mein ganzes Gepäck, ein Rucksack, zwei Plastiktüten, neben mir. Fünfzehn Minuten 50-er-Jahre-US-Schlager, dann kurz Werbung. Ich blicke nur noch zur Uhr. Dann: der Vorspann zu "Coco Chanel". Ich raus. "Ja, ich hab' nicht gesehn, dass Sie da reingegangen sind." Der Film "Maria, ihm schmeckt's nicht" laufe unten im Keller. Das schmeckt mir gar nicht: Wenn einem so was nicht mitgeteilt wird und es auch keine Karten gibt, wo das draufsteht, wie soll ich so was denn wissen? Ich bekomme meine umgerechnet zwölf Mark zurück und lege mich mit "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" auf eine Mainwiese.
Was, liebe sin-o-meter-Leser, will uns nun dieses Geschichte sagen? Natürlich dass das Leben genau deswegen so spannungs- und abwechslungsreich ist, weil so oft nicht das Wahrscheinliche eintrifft, sondern das Unwahrscheinliche. Ich saß in meinem Leben bereits mehr als 1000 Mal in einem Filmtheater. Aber im falschen Film war ich, glaube ich, noch nie. Und wann passiert so was? Genau dann, wenn es am besten zu einer Geschichte passt, die gerade geschrieben wird und in der man selbst die Hauptfigur ist. Irgendwo zwischen Balduin, dem Ferienschreck, und Kevin allein in New York.

Dass ich wenig später in Gefahr geriet von der Polizei abgeführt zu werden kam so: Viertel nach fünf kommt die S-Bahn am Flughafen an. Der Flug geht um halb sieben. Und nun geht es Schlag auf Schlag: Die Tante am Schalter verweist mich auf das automatische Einbuchungssystem am Automaten. Da stehe einer, der mir helfe, wenn es Schwierigkeiten gebe. Der haut aber genau dann ab, als ich feststelle, dass mir der Automat nicht hilft, wenn ich neben der Studentin mit dem Künstlernamen Eva sitzen will, die meines Wissens ebenfalls mit LH 780 vom Sprachkurs in Heidelberg zurückfliegt. Also ich zurück zur Theke mit der Tante. Die wirbelt wahllos mit der Hand in der Luft herum. Da irgendwo sei schon einer. Ich renne in der Gegend rum wie ein herrenloser Hund. Und genau so behandelt mich dann auch der Lufthansa-Angestellte, der schließlich in Automatennähe auftaucht. Der Mann erweist sich als total lustloser und wenig hilfsbereiter Schnösel. Daten von anderen Fahrgästen seien geheim, teilt er mir kurz angebunden mit. Bei mir brennt die Zündschnur. War ja bisher ohnehin schon nicht mein Tag. Ich also zurück zum Schalter, wo sich unterdessen eine Schlange gebildet hat. Ich bitte ein holländisches Paar mich vorzulassen, da ich ja schon vor ihnen da gewesen sei und demnach in der Schlange vor ihnen stehen würde, wenn man mich nicht zum Automaten geschickt hätte. Da kommt der Lufthansa-Schnösel an und sagt den fliegenden Holländern, sie müssten mich nicht vorlassen, der Automat sei völlig in Ordnung und ich ein Idiot (nicht wörtlich, sinngemäß). Daraufhin raste ich total aus und verlange den Namen des Vorgesetzten des Schnösels um mich zu beschweren. Den will er auch gleich selbst anrufen. Zugegeben, meine Empfehlung, er hätte angesichts solcher Umgangsformen lieber Taxifahrer werden sollen (nicht sinngemäß, wörtlich), trägt nicht gerade zur Entspannung der Lage bei und dass ich den Schnösel danach so laut als "letzten Heuler" brandmarke, dass alle Passagiere es mithören können, lockert die Atmosphäre auch nicht auf. Deshalb ruft der Schnösel nun nicht den Chef, sondern die Polizei und teilt ihr telefonisch mit: Da sei ein Kunde, der sei frech und werde laut. Ich bestätige das, indem ich auch was in den Hörer reinrufe: Frech sei er do...! Gespräch zu Ende. Die Szene wird langsam tumultartig und ich wirke vermutlich wie Louis de Funès, wenn er 'n Rappel kriegt und überall Bretter sieht. In dieser Rolle voll aufgehend gieße ich noch Öl ins Feuer, indem ich frage, wer bei Lufthansa eigentlich König sei, der Kunde sei es ja offensichtlich nicht. Ich bekomme darauf keine Antwort. War ja auch mehr 'ne rhetorische Frage. Dann wandere ich zurück zur Schlange und treffe unterwegs auf die Polizei, die ich begrüße mit den Worten: "Ich bin der, wegen dem Sie hier sind!" Die Ordnungshüter gehen aber erst mal zu dem Schnösel. Ich weise den Weg: "Gehen Sie da man hin. Ich habe Sie ja auch nicht gerufen!" Ich warte noch mal gefühlte zehn Minuten am Lufthansa-Tresen, bis ich an der Reihe bin. Vergeblich versucht die Tante mich an einen anderen Stand zu vermitteln. Zwischendurch kontrolliert die Polizei, der ich erkläre, der Schnösel sei pampig geworden, meinen Pass. Und ich versichere den Beamten, dass es meiner voller Ernst war, als ich behauptete, dass der Schnösel lieber als Taxifahrer arbeiten sollte - wenn überhaupt. Das war keine Beleidigung. In einem freien Land, da werde man sich ja noch mal aufregen dürfen als Kunde, der "für so eine Fahrkarte 5000 Euro, äh, 500 Euro" bezahle. "Wenn der bei mir arbeiten würde, wäre der morgen entlassen", wettere ich weiter. Frei nach Arne Heller schieße ich schließlich den Vogel ab, indem ich den Beamten zu Protokoll gebe: "Wir leben ja hier in der Deutschen Demokratischen Republik! Da wird man ja noch mal seine Meinung sagen dürfen, wenn man nicht zufrieden ist." Ja, nee, ich hab' den Versprecher dann schon noch bemerkt. Man eröffnet mir, dass der Schnösel darauf verzichtet, Anzeige gegen mich zu erstatten. Ich erwidere sichtlich gerührt: "Der soll mich doch verklagen!" Am Ende erkundigt sich der Beamte, der übrigens verstörenderweise aussieht wie Christoph Waltz in "Inglorious Basterds", noch nach meinem Wohlbefinden und meinem Wohnsitz und will wissen, ob mir noch zu helfen sei, also, ob mir sonst noch irgendwomit geholfen werden könne. Ich antworte, dass das so schon in Ordnung sei. Die Tante am Tresen, die mich mal gleich hätte bedienen sollen, dann wäre der Stress mit ihrem wenig hilfreichen Kollegen nicht passiert (das sage ich ihr auch), versucht dann noch erfolglos "Evas" Sitzplatz für mich herauszufinden, jedoch ohne Erfolg.
Der Flugsteig ist wie leer gefegt, als ich eine knappe halbe Stunde vor Abflug eintreffe. Bei der Sicherheitsprüfung musste mein Panasonic-Telefon in einem Extra-Raum auf Sprengstoffspuren untersucht werden. Mein Kommentar: "Gibt es dafür keinen Hund?" Und: "Wie würden Sie reagieren, wenn ich jetzt ganz schnell weglaufen würde?"
An Bord der Maschine treffe ich zwar keine Eva, dafür aber meinen Kollegen Herrn Wang, der mit seiner Frau ihren Sohn in Frankfurt besucht hat. Eine Eva bekomme ich dann auch noch zu sehen, denn während des Fluges schaue ich meine bisher einzige Folge von "Desperate Housewives" (man muss ja mitreden können) sowie "17 Again", "Monsters vs. Aliens" und "Despereaux, den kleinen Mäusehelden". Ein kleiner Mäuserich kämpft darin furchtlos gegen eine Übermacht von Ratten, die alle  keinen Durchblick haben.

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