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Freitag, 21. August 2009

Evas Koffer
Von DM, 23:59

Als ich mit meinem Kollegen Wang den Airbus verlasse und mich Richtung Ausgang des Nanjinger Flughafens begebe, sehe ich, dass Eva alias Chen Dong doch an Bord war. Sie steht gerade bei der  Schweinegrippe-Inspektion, wo ich mich länger aufhalte, weil ich meine Nanjinger Telefonnummer eintragen soll, die ich natürlich nicht im Kopf und auch sonst nirgendwo habe. Wang, Chen und ich sitzen dann auch alle im selben Bus. Eva erzählt begeistert von ihrem Sommerkurs in Heidelberg und zeigt mir ein Arbeitsheft, auf dessen Rückseite sich die internationalen Teilnehmer mit ein paar Worten verewigt haben. Beim Umsteigen auf die U-Bahn versuche ich mich als starker großer Bruder und schwenke ihren tonnenschweren Koffer ("Bücher und Schokolade", sagt sie), als wären Federn drin. In Wahrheit fühlt sich mein Arm an, als ob ein Schaufelradbagger dranhängen würde. Ich lotse Eva, da ich Zhonghuamen besser kenne als sie, zu der Busstation, die uns Wang empfohlen hat. An der U-Bahn-Station fragt sie einen Taxifahrer, der nach Gästen für den Flughafen Ausschau hält, und will entmutigt schon auf die U-Bahn wechseln. Nix da, sage ich, wenn Wang gesagt hat, hier gibt's einen Bus für Sie, dann gibt es den auch! Vergeblich versucht Eva die ganze Zeit mir den Koffer wieder abzunehmen. Vor allem rät sie, dass ich das Ding ziehen soll, da gebe es doch so eine Roll-Vorrichtung. Ich halte das für eine Warmduscher-Einrichtung und mache demonstrativ noch etwas Muskeltraining mit dem Koffer. "Der Griff wird das nicht aushalten", warnt Eva. "Ach was", sage ich. Zack, löst sich auch schon der Griff vom Rahmen des Koffers. Schief baumelt der Rest an meiner Hand. Eva, auf deren Oberlippe sich kleine Schweißperlen gebildet haben - ich hoffe, wegen der Hitze und nicht vor Zorn - würde jetzt vermutlich gern sagen: "Siehste, hättste mal auf mich gehört!" Aber solche Sätze verbietet natürlich die sprichwörtliche chinesische Höflichkeit. Immerhin muss ich nun nicht mehr Tarzan spielen. Ratlos händige ich ihr den Koffer aus. Dann überqueren wir, indem Eva vorführt, wie man einen Koffer auf Rollen zieht, die autobahnähnliche Straße und ich bin immerhin noch gut genug, auf ihre Koffer und Taschen aufzupassen, während sie sich nach einer Fahrkarte erkundigt. Die gibt es tatsächlich und ich kann mich befreit von Evas Koffern trennen. "Jetzt bin ich beruhigt", sage ich.
Als ich aus der U-Bahn komme, schüttet es wie aus Kübeln. Ich nehme die Plastiktüte als Regenschirm und komme durchnässt an. Meine Wohnung ist komplett neu gestrichen und es gibt neue Moskitonetze an den Fenstern. Deswegen ist alles umgeräumt worden und nichts mehr an seinem Platz. Kissen liegen im Bücherschrank, Ordner im Kleiderschrank. Beim Auspacken stelle ich fest, dass mein Brustbeutel (der, den ich gestern schon einmal vergessen hatte) weg ist und mit ihm geschätzte 45 Euro in neuen Scheinen sowie - welche Ironie - ein Gerät, das übersetzt ins Deutsche "Gedächtnisstift" heißt.

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