Skandal im Sitzbezirk
Heute schleppt mich Danyu, die Autorin, die alle sin-o-meter-Leser schon kennen, in eine Sondervorstellung mit drei Ausschnitten aus zwei Werken der legendären Kun-Oper (Kunqu). Die Kun-Oper ist noch älter als die Peking-Oper, sonst ist vieles gleich. Man hört also auch dieses scheppernde Klong-Klong und diese quietschenden Streichinstrumente. Die englischen Untertitel links und rechts gab es aber früher vermutlich noch nicht im Theater. Sie fallen hier und heute auch nach dem ersten Akt aus. Den Rest sieht man unten im Bild. Oder man liest mal nach durch einen Mausklick hier oder aufs Bild.

Apropos Klick: Wir müssen uns umsetzen, weil Danyu ihre Sitznachbarin so mit ihrer vielen Fotografiererei nervt, dass die sich beschwert. Und zwar bei mir! Ehe das in Zickenterror ausartet, suche ich fieberhaft nach einem Kompromiss. Und prompt sitzen wir nicht mehr bei ARD und ZDF, sondern in Reihe vier dieses kleinen Saals des kleinen Nanjinger Museums. Die Tante in Reihe zwo ist beruhigt und genervt durch das Geräusch des Auslösers bin jetzt nur noch ich.
Danach stehen wir im Regen. Kein Taxi will uns mitnehmen. Also lasse ich mich ins nächste Teehaus schleppen (wo's auch Eis gibt) und erfahre - ich bin ja inzwischen schon so was wie der Beichtvater der exzentrischen und nach eigenen Angaben auch bereits latent selbstmordgefährdeten Schriftstellerin -, dass ihre englisch-französische Internetliebe die Reißleine gezogen hat, um Reißaus zu nehmen. (Kann ich irgendwo verstehen.) Ihr Herz ist gebrochen. Oder gestohlen. Oder beides. Tja. Was soll nun jemand mit meiner unendlichen, überwiegend aus amerikanischen TV-Serien gespeisten Lebensweisheit dazu sagen? Ich sage bzw. schreibe (später): "Feelings are traitors. They come and go as they like and don't respect the person who has them; nor do they care about his or her fate. So, it is no sin to behave strangely, but it may feed your demons. And [...] the demons keep you away from the Lord. "
Wow! So weise wie ich möchte ich auch mal sein!