Autoren unter sich
Ich laufe jetzt immer am Mittwoch (mein neuer freier Tag) um die Tennisanlage hinter der Shanghai Lu und meine Patellasehne findet das gut! Ich entlasse mich also mal als (fast) geheilt aus der Lauf-Zwangspause.
Danyu, die mir als dem Beichtvater der Nation inzwischen regelmäßig die lyrischen Botschaften ihrer englischen E-Mail-Liebe als Kopie zuleitet, steht mal wieder vor der Tür und beordert mich in das Café Banpocun in der Qingdao Lu, weil ich unbedingt ihren guten Freund, den Autor Huang Fan kennen lernen soll. Sie selbst ist zu spät und ich unterhalte mich bei Eis und einer Früchteplatte erst mal mit dem drahtigen Dichter mit der Mütze und seinem Kumpel. Beide unterrichten auch Literatur oder Literaturwissenschaft an der Uni. Ich erfahre noch einmal, wie groß die Kluft ist zwischen den handverlesenen offiziellen Autoren, die von der KP protegiert werden und auch dieses Jahr auf der Buchmesse erscheinen dürfen, und Einzelkämpfern wie Huang Fan und Danyu. Huang Fan signiert mir ein Buch, das ich nicht lesen und dessen Titel ich mir nicht merken kann. Positiv ist zu vermerken, dass er, immerhin ein Künstler, nicht raucht und ebenso wie ich kein Freund von VIP-Verkleidungen ist, sondern lieber so rumläuft, wie es ihm gefällt.