Auf den Spuren von Tom Cruise
Im Süden der Provinz Zhejiang befindet sich ein malerisches Dorf namens Xitang, das man wie Venedig auch zu Wasser besichtigen kann. Es geht dann unter Brücken hindurch und man hat Blick auf zumeist weiße einstöckige Gebäude, die allerdings heute überwiegend nur noch als Touristenfallen oder Museen (oder beides in einem) dienen. Überall locken Stände mit Leckereien und Souvenirs. Während wir uns für zehn Yuan pro Person mit drei Booten von Sino-Gondolieri durch das Dorf schippern lassen - ich sitze mit Herrn Weismann im selben Boot -, ist die Sicht auf das pittoreske Ufer zumeist verdeckt, da unsere Studentinnen ständig von Deck aus für Fotos mit Hintergrund posieren müssen.
Auf einem kleinen Schiff, das freilich nicht mehr fährt, sondern auf dem Hauptkanal vor Anker liegt, gibt es die Hauptmahlzeit. Nachdem wir gerade vier Stunden lang mit dem Bus angereist sind, muss eine Hungerrevolte niedergeschlagen werden. Frau Yin, die Fachbereichsleiterin, hält eine kurze Rede und erklärt darin, was es mit diesem Sonderfall eines gemeinsamen Ausflugs von Professoren und Studenten für eine Bewandtnis hat: Es handelt sich um eine Belohnung für den besonders erfolgreichen Jahrgang 06, der chinaweit den besten Schnitt in der Prüfung für Deutschstudenten an chinesischen Universitäten erzielt hat. Unter Führung von Xuelian und Xiaoshi besichtige ich hernach noch ein paar der Touristenfallen, darunter ein Knopfmuseum. Dann geht mir das alles zu langsam hier und ich flaniere die verbleibende Stunde vor der erneut vierstündigen Busfahrt alleine durch die Lagunenstadt. Ich hätte am Ende gar nicht so pünktlich zu sein brauchen, denn Yin, mit Herrn Weismann im Gefolge, ist 25 Minuten zu spät. Sonst eher meine Rolle. So kommen wir auch schön in den Wochenendverkehr auf der Autobahn. Naja, ich habe Mau-Mau-Karten dabei. Die vertreiben mir, meiner Vorgängerin Kristina und der Schriftstellerin Bossong, die die längste Niederlagenserie hinlegt, die ich je bei Dreier-Mau-Mau erlebt habe, die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dann sind wir zwar noch nicht da, können aber keine Spielkarten mehr erkennen.
Wer noch ein etwas genaueres Bild von Xitang haben möchte, der lege eine DVD mit "Mission: Impossible 3" ein. Denn Tom Cruise hat hier 2005 gedreht und für noch mehr Trubel gesorgt, als in Xitang ohnehin schon los ist. Ein großes Plakat vor einem der Restaurants kündet von dem Besucher, der noch prominenter ist als die Uni Nanjing.