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Donnerstag, 17. Dezember 2009

Roter Wein und blauer Fleck oder: Weihnachtsfeier Teil 2
Von DM, 23:59

Gemeinsam mit Feiqian und Chen Dong alias Eva geht es mit dem Uni-Bus zurück in meine Wohnung. Im Bus bin ich so vertieft in das Gespräch mit Feiqian, dass ich erst beim Aussteigen merke, dass mein französischer Kollege Alain rechts neben mir sitzt. Der hätte ja auch mal was sagen können!
Wir sind um eins in meiner Wohnung. Aber erst mal gehen wir jetzt essen. Am Südtor treffen wir auf Xiaoqi, der auch zu dem Jahrgang gehört (einer von drei Jungs), aber nicht mit uns essen, sondern lieber seine Haare in Fasson bringen lassen will. Eva bestellt ein Reisgericht. Feiqian und ich entscheiden uns für etwas mit Pilzen. Schmeckt gut. Wir warten dann bei mir zu Hause auf Jinting, die Leiterin des Glühwein-Kommandos. Feiqian wartet draußen, damit Jinting uns finden kann. Bei mir in der Wohnung kümmern wir uns dann um die Zubereitung des Spezial-Glühweins, der heute Abend auf der Weihnachtsfeier der Deutsch-Abteilung serviert werden soll, das heißt, die Studentinnen kümmern sich darum. Ich korrigiere derweil ihre Geschichte-Tests. Denn bei Glühwein kann ich nun gar nicht helfen, schon gar nicht mit Rezepten. Wenn nichts zu tun ist, löchert mich Eva mal wieder mit indiskreten Fragen und will außerdem wissen, was sie im Test für eine Note bekommt. „Erst mal sehen, was die anderen geschrieben haben“, antworte ich. Eine völlig entnervte Yangliu ruft an, weil sie im Stau steckt und daher viel zu spät kommen wird. Dreimal sagt sie: „Ich habe eine Bitte an Sie. Aber, nnnng, wie kann ich das sagen?“ und macht mich ganz nervös damit. Ihr Problem: Da sie Xi Min versprochen hat, vorher mit mir den Ablauf durchzugehen, bittet sie mich, so zu tun, als wäre sie heute nie im Stau gewesen. „Solange ich nicht für Sie lügen muss“, sage ich.
Als ich in meiner neuen Jacke und meinem film-o-meter-Jackett (Outfit 1) im Saal eintreffe, muss ich zuerst Luftballons aufblasen, bei denen einem nach dreimaligem Pusten die Luft wegbleibt; dann saut Yijie alias Cecilia meine neue Jacke mit blauem Zeugs ein. Und das ging so.
Didus: „Was ist denn das?“
Cecilia: „Wollen Sie mal sehen?“ SPRÜH!
Und schon habe ich blaues Zeugs auf der Jacke haften. So schnell konnte ich gar nicht antworten. Cecilia scheint nun aber doch der Schreck in die Glieder gefahren zu sein, dass da so viel rausgekommen ist. Sie rubbelt verstört an meiner Jacke herum wie Loriot in einem seiner Pannensketche und verteilt das Blau auf dem gesamten Ärmel. „Keine Angst, das geht ganz leicht wieder ab. Beim Waschen.“ Die neue Jacke kostete umgerechnet 27 Mark. Und ich weiß genau: Im modernen China gibt mir das kein Recht empört zu sein.
Für die Weihnachtsfeier habe ich die ersten fünf Minuten des JESUS-Films von der Technik-Expertin der Studenten auf einen Computer kopieren lassen und lasse das anstelle einer langen Rede vom eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes laufen. „Was ging da damals ab?“, frage ich analog zum Motto der Feier.
Wesentlich besser kommt aber mein Lesestück „Leckere Weihnachtsplätzchen von Großmutter“ an (Kopie aus dem Vorjahr), eine Geschichte, bei deren Vortrag ständig um die Wette gerannt werden muss. Und ihren besonderen Spaß haben natürlich alle, als ich bei einer Lehrer-Vergesäßungsaktion pantomimisch als arroganter Darcy um die Gunst von Elizabeth Bennet („Stolz und Vorurteil“), verkörpert von einer deutschen Kollegin, buhlen muss. Am Ende muss ich auch noch tanzen. Alles abgekartet. Die Mehrens-Sprechchöre kamen wie auf Kommando und die Rolle des von der Liebe gedemütigten arroganten Schnösels, der dann auch noch tanzen muss: wie das kleine Einmaleins von allem, was ich hasse, auf fünf Minuten gerafft. Als Tanz wähle ich Ringelpiez mit Nach-drei-Sekunden-wieder-Loslassen. Klassischer Fall von guter Miene zum bösen Spiel. Außerdem ist mal wieder alles zu laut. Kurz vor Ende der Veranstaltung gehe ich ins Klo um mir Klopapier in die Ohren zu stopfen, renne aber danach in der Gegend rum wie diese Mars-Sonde, zu der Houston keinen Kontakt mehr hat. Mein persönlicher Höhepunkt ist die Musical-Version des Märchens vom Wolf und den sieben Geißlein, das, wie ich mir habe sagen lassen, durch eine Zeichentrickserie in China zu ungeahnter Popularität gelangt ist. Die Studenten des Jahrgangs 08 spielen das eindrucksvoll nach, unterstützt von Schafskopf-Stirnbinden aus Pappe. Beim Abschlussfoto muss ich Cecilia, die hinter mir steht, fast die Arme umdrehen, weil sie immer über meinem Kopf Häschenohren macht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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