Meifa

Cathy hat es auch nicht leicht. Ende November haute sie die Schweinegrippe um und sie musste ins Krankenhaus. Und letzte Woche hatte sie Windpocken. Ein Unglück kommt eben selten allein. Und nun sitze ich mit ihr beim Frisör und sie hofft sicherlich, dass ein drittes Unglück ausbleibt. Das Jahr ist nämlich rum und Cathy will kürzere Haare. Ich weiß auch nicht, ich wollte nur mal fragen, was sie denn heute Abend noch so vorhabe, und das habe ich so klingen lassen, als hätte ich nichts dagegen, dabei zu sein. Tja, und nun sitze ich beim Frisör, einem hippen Laden, in dem ein halbes Dutzend Kunden gleichzeitig verschönert werden kann (deswegen sagt man jetzt auch Schönschnitt, "meifa", statt Haarschnitt, "lifa"). Dabei ist ja mein Jahr noch gar nicht rum und ich bin folglich nur Zuschauer. Zur Entschädigung lädt sie mich anschließend in Giuseppe Parisis CIAO ITALIA in der Shigu Lu ein. Sie ist fast die einzige Chinesin in dem vornehmen Laden. Typisch vornehmer Laden ist auch dies: Die Lasagne-Portion ist so klein, dass zwei davon für mich gerade gereicht hätten. Da Chinesinnen indes notorisch um ihre Schlankheit besorgt sind, schafft Cathy nicht mal ihre paar Nudeln in Sahnesoße.