Willkommen bei den Ch'tis!
Auf dem Luhuitou- oder (auf Deutsch) Hirsch-dreht-Kopf-Hügel gibt es den Luhuitou- (Hirsch-dreht-Kopf-)Park, und der kostet unverschämte 45 Yuan Eintritt. Auf dem Weg zum Gipfel verwickelt mich ein etwas verwahrlost aussehender Russe in ein Gespräch in praller Sonne und fragt mich, ob er nicht einen Job für mich wüsste. Er habe leider gar kein Diplom oder sonst einen Abschluss, sagt er; da kann ich natürlich auch nicht viel helfen.
Die Verkäuferin am Eingang zum Park kann wie alle Einheimischen hier auf der Insel kein „sch“ sprechen, weshalb ich völlig verwirrt bin: „Zehn", also „shi“ hört sich bei ihr an wie „si“ („vier“), also höre ich „Vier-vier-fünf“ anstatt „vierundvierzig“. Willkommen bei den Ch’tis! Ich lege einfach einen Fünfziger hin. Wird schon stimmen. Stimmt aber nicht. Der Park ist reine Abzocke. Man hat zwar einen schönen Blick auf die Stadt, aber den hat man auf Erhebungen in Stadtnähe bekanntlich immer. Und das Monument ist auch jetzt nicht der Brüller. Ein Hirsch und zwei menschliche Gestalten illustrieren die Sage eines jungen Kriegers, der auf einen Hirsch angelegt hatte, der sich jedoch in diesem Moment, es war wohl eher eine Hirschkuh, in ein wunderschönes Mädchen verwandelte. Und wenn sie nicht gestorben sind... Außerdem gibt es noch einen buddhistischen Wunschbaum mit roten Schleifen und goldenen Schlössern und, dazu passend, einen Teich mit Goldfischen. Ich hätte lieber wie der Hirsch einen Blick zurück tun sollen und denselben Weg gehen, auf dem ich kam. Stattdessen verprasse ich völlig sinnlos und völlig gegen meine Gewohnheit 40 Yuan für eine Möchtgernachterbahn ins Tal, die aber auf halber Höhe endet, mich unschlüssig aussteigen und ins Verderben laufen lässt. Ich finde nämlich den Weg zurück nicht, drehe dann auch noch verzagt um und umrunde schließlich die gesamt Hügelkette. Ich lande in einer staubigen Endlosbaustelle, denn wir überall in China muss auch hier alles Alte und Traditionelle hässlichen Hochhauskomplexen weichen. Die Hitze und der Baulärm und der Krach vorbeipesender Mopeds treiben mich fast zum Wahnsinn. Ich komme dennoch in geistiger Gesundheit, wenn auch ziemlich erschöpft in meinem Hotelzimmer an, kann mir aber nur noch für sieben Yuan was zu essen kaufen, weil ich vergeblich hoffe, bei einer Barabhebung die immens hohen Gebühren sparen zu können. Die Banktanten weisen mich stur ab, obwohl ich mich extra begriffsstutzig gestellt habe. Ich kaufe mir eine Nudelsuppe für vier Yuan und Bananen für zwei. Morgen wird sich herausstellen, dass ich die 1 Prozent Gebühr auch bei Barabhebungen am Schalter entrichten muss und ich werde Banken als Verbrecher beschimpfen (auf Englisch) und es wird mir gar nichts nützen. Sicherlich wirke ich mit meiner Stuwwelpeter-Frisur auch eher kurios als furios. Tja, nur nicht den Kopf verlieren, das war schon das Motto des sagenumwobenen Hirsches.
