Was Dubai recht ist...
Sanya hat entschieden etwas mit Dubai gemeinsam. Dort wurde ja, direkt vor der Küste, diese künstliche Insel in Palmenform und mit lauter Mega-Hotels errichtet. Die Form einer Palme haben die Chinesen zwar nicht zu bieten, dafür ist ihre vier Quadratkilometer große Kunstinsel von echten, goldummäntelten Palmen umgeben. Das ganze Unternehmen nennt sich Phoenix Island, denn wie Phönix aus der Asche erheben sich hier aus dem blanken Meer monströse Bauten, die offensichtlich hoch hinaus wollen. Vier von sechs geplanten Apartment-Türmen stehen schon als Rohbau, Bauwerk Nummer fünf wird die Attraktion: Das Sieben-Sterne-Hotel wird die Form einer geschlossenen Muschel haben, aber in der Mitte, also zwischen den beiden Muschelhälften, weht der Wind durch. Der Wanderarbeiter aus der Provinz Sichuan, der seit vier Jahren an und auf der Insel arbeitet, schwärmt mir vor: Sanya habe immer gute Luft und schönes Wetter und die Aussicht hier auf der Insel sei doch großartig. Da stimme ich zu. Ich sitze, nachdem ich die palmenumsäumte Baustelle umrundet habe, im Schatten des Phönix-Monuments, das zugleich Gedenkstätte für den Empfang der olympischen Fackelläufer 2008 in Sanya ist, da gesellt sich der Arbeiter, ein sonnengegerbter Gärtner, zu mir. Vorher habe ich mir im bereits fertig gestellten Konferenzzentrum, indem ich mich dem Empfang für eine Gruppe chinesischer Touristen einfach angeschlossen (aber brav auf Getränke und Kuchen verzichtet) habe, eine 3-D-Simulation der fertigen Insel angesehen: ein Hubschauberlandeplatz, ein eigener Schiffsanleger, Swimming-pools, Bungalows für Reiche, Einkaufshütten, die aussehen wie Bungalows für Reiche...

Mögen der Gärtner und ich auch in zwei völlig verschiedenen Welten leben, eines haben wir auf jeden Fall gemeinsam: Weder er noch ich wird jemals eine Nacht in einem der Luxusräume verbringen, die hier vor unseren Augen entstehen.