Die Herberge zum blauen Himmel
Warum wir China so lieben, ewige Bestenliste Platz eins: Nur hier bringen es nette junge Rezeptionistinnen fertig, mich mit der Frage zu begrüßen, ob ich ein Superstar sei, was ich natürlich sofort bejahe. So heute geschehen am Empfang der Blauer-Himmel-Herberge, in die ich am Nachmittag umgezogen bin (bereits meine dritte Unterkunft in Sanya). Nicht nur zwei Hotels, auch zwei hilfsbereite Mitbewohner habe ich verschlissen, letzteres bei dem Versuch, mit dem herbergseigenen W-Lan ins Netz zu kommen. Erst als Peter, der Boss, den Tresendienst übernimmt und er persönlich Hand anlegt, kann ich mit dem alten Bibliotheks-Hewlett-Packard meinen Eintrag hier im sin-o-meter aktualisieren. Ich sitze in der überdachten Open-air-Herbergsbar und bin umgeben von Mücken, die nicht in Bestform sind, und heiteren Herbergsgästen, die schon eher in Bestform sind. Die zockenden Amerikaner verbrüdern sich gerade mit den drei russischen Mädels vom Nachbartisch. Nach vielen Zocker- und Alkohol-Runden verlegen sie sich auf „Tat oder Wahrheit“, ein Spiel, bei dem man intime Details ausplaudern oder etwas Peinliches tun muss. Es wird also so oder so peinlich. Am Ende bekommt die blonde Russin zum Lohn von ihrem US-Sitznachbarn den ersten Kuss. Da hat sich die Völkerverständigung ja wenigstens gelohnt! Auch anderswo geht es fröhlich zu: Die drei Gäste aus der IFS-Schüleraustauschgruppe, ein Franzose, eine Französin und deren Freund, ein Amerikaner, die alle drei ein Jahr an Schulen und in Gastfamilien in Guangzhou bzw. Nanjing verbringen und eigentlich mit mir in dem 6-Bett-Zimmer untergebracht sind, tauchen erst auf, als die Sonne längst wieder am Himmel lacht. Offenbar haben sie die Nacht am Strand durchgemacht.