Vor der Affeninsel
Da man ja nicht immer nur auf der Robbenbank herumlungern kann, fahre ich heute in den malerischen Fischerort Xincun. Der Bus nimmt mich aber nur mit bis Lingshui, die vorgelagerte Gewerbestadt. Weiter geht es für 3 Yuan im Minibus. Das Ambiente ist hier völlig anders als in der Touristenmetropole Sanya. Mit den vielen Kokospalmen und Bananenpflanzungen auf den Feldern, den staubigen Straßen, dem Müll überall an ihren Rändern und den extrem pragmatisch eingerichteten Ladenzeilen in iher epigonenhaften Architektur (die selbst nicht weiß, wen sie imitieren soll) entlang der Hauptstraße erinnert mich doch manches an Afrika. Die Attraktion von Xincun, in der ansonsten die Ethnie der Danjia das Alltagsbild bestimmt, ist die dem Hafen vorgelagerte hügelige Affeninsel. Ich stehe auf der Kaimauer und sehe Tonnen von Touristen über mir per Seilbahn den Affen entgegenschweben. Einige machen sich dabei sogar ohne Skrupel selbst zum Affen: Eine Reisegruppe hat es fertiggebracht, sich komplett in potthässliche Hawaii-Zweiteiler stecken zu lassen, Groß und Klein rennen nun also in diesen schreienden Farben hier herum. Zum Davonlaufen! Ich laufe also davon, für die Affeninsel habe ich heute sowieso keine Zeit, und flaniere den Pier entlang. In einer langen Linie liegen nicht nur Schiffe am Hafen, sondern die Meerenge zwischen Insel und Ufer ist außerdem durchzogen von einer langen Reihe von Hausbooten. Auf Holzpaletten ist dort auf dem offenen Wasser ein richtiges kleines Dorf entstanden. Sogar ein Hund bellt da hinten irgendwo. Ob der wohl immer genug Auslauf hat draußen auf dem Wasser? Ich wandere weiter am Hafenbecken entlang, überall kleine Stände und auf dem Boden jede Menge Unrat. Es riecht ziemlich fischig, während ich vorbeikomme an Frauen, die Fischernetze herstellen oder flicken, Fischern, die ihre Fische an die Händlerinnen weitergeben, die mit Eisbehältern auf der Gangway warten, Männern, die auf ihren Booten Maschinenteile reparieren oder ihr Schiff umbauen. Eine Mutter füttert an Bord ihr kleines Kind. Ein Fischer hat sich bei offener Tür in der Ein-Mann-Kabine seines kleinen Kutters hingehauen und macht ein Nickerchen. Ganz hinten am Ende der Kaimauer sitzen im gleißenden Licht ein paar Angler. Auf dem Rückweg staunt mich eine Schar Kinder an, als wäre ich eine Marienerscheinung. Nur einer wagt mal ein zaghaftes "Hello..."
Die Sonne hat mich zermürbt und hier länger als bis fünf Uhr zu verweilen empfiehlt ohnedies sich nicht, da man sonst vielleicht keinen Bus mehr bekommt. Also: Aufbruch.