Zirkusakrobaten und Milchskandal
An den belebten Straßenkreuzungen werden Knirpse als Zirkusakrobaten zur Aufbesserung des Einkommens ihrer Familien (vermutlich Angehörige der Li- oder Miao-Minderheit) eingesetzt. Von meinem Fensterplatz im ersten Stock von Kentucky Fried Chicken, eines beliebten chinesischen Restaurants, kann ich die Szene verfolgen: Zum Klong-klong der Schellen in den Händen ihrer Begleiter, vielleicht ihre großen Brüder, machen die etwa 1,10 Meter kleinen und extrem beweglichen Kinder Flick-Flacks, als würden sie auf Händen spazieren gehen, oder stecken sich das Drehmoment eines Mini-Karussells in den Mund, wenden ihren schmalen Leib kopfüber nach hinten und drehen sich dann mit den Händen in Schwung. Ihre größeren Kompagnons, selbst noch Kinder, sammeln das Geld ein. Das alles erinnert stark an die menschlichen Kanonenkugeln aus der Muppets-Show, nur ist das für die Knirpse, die den ganzen Tag in der Sonne durchhalten müssen, vermutlich nur halb so witzig.
Kurz zuvor habe ich schon wieder Terror in der Ladenmeile gemacht. Da kaufe ich mir einen leckeren Erdbeertrunk, ganz im Stil der Schulmilch, mit der ich groß geworden bin, und beim ersten Schluck bleibt mir gleich alles im Halse stecken: verdorbene Milch! Schmeckt wie Knüppel auf'n Kopp! Ich gleich zurück und als die Tante, bei der ich mich beschwere, mir einen Safe für meine Tasche mit den anderen Milchgetränken anbietet, weil sie mein Chinesisch nicht versteht, werde ich noch empörter. Am Ende taucht eine Tante mit Ersatz-Erdbeermilch auf und macht mich wieder glücklich.