Im Schlafbus nach Kanton
Diese chinesischen Schlafbusse und ich, so viel steht fest, werden in diesem Leben keine Freunde mehr! Dabei habe ich noch Glück: Der Platz neben mir bleibt frei. Aber der Typ, der rechts von mir liegt, macht sich viel zu breit und der Anfang der Strecke führt durch Schlaglöcher wie im tiefsten Tibet. Außerdem wird mir erst viel zu spät klar, dass es an Bord ein WC gibt. Vorher habe ich mit wachsender Ungeduld auf eine Pause gewartet. So schläft man natürlich auch nicht tief und fest. Als wir pünktlich um 6 in Guangzhou (Kanton) ankommen, habe ich mit dem nächsten Problem zu kämpfen: Ausgerechnet die Guangzhou-Seiten hat ein ganz Schlauer vor etlichen Jahren aus meinem „Lonely Planet“-Reiseführer herausgerissen, weil er wohl nicht ständig mit einem dicken Buch reisen wollte. So bin ich jetzt ziemlich orientierungslos, habe aber Glück im Unglück: Bus-Bahnhof und Hauptbahnhof liegen hier praktisch am selben Fleck. Und ich schaffe es tatsächlich, noch eine Fahrkarte mit Schlafplatz für heute, 9.14 Uhr, nach Nanjing zu erwerben. Ich frühstücke bei McDonald's und reise dann auf blauen Dunst an eine U-Bahn-Station, die irgendwie interessant klingt, doch ich lande irgendwo in einer langweiligen Außenbezirks-Einöde, etwa so aufregend wie Neumünster-Wittorf. Im Zug falle ich dann erst mal in tiefen Schlummer. Denn anders als im so genannten Schlafbus, kann man im Zug wirklich schlafen. Nachts werde ich dann wieder munter, lege den tragbaren Computer vor mir auf die Liege und tippe: „Diese chinesischen Schlafbusse und ich, so viel steht fest...“