Schiffsreise mit Unterhaltungsprogramm

Eigentlich wollte ich schon um zehn aufstehen, aber nichts zu wollen. Gegen Mittag gehe ich hinüber zum jetzt geöffneten Busbahnhof und ergattere tatsächlich eine Kombi-Fahrkarte für Bus und Schiff. Abfahrt: 17.25 Uhr. Es reicht sogar noch für eine gute Stunde in dem Winner-Pizza-Restaurant, das ich gestern Abend aus dem Stadtzentrum kommend vom Taxi aus erspäht habe. Tja, und dann heißt es Abschied nehmen von Hainan und all den Turbulenzen eines fast dreiwöchigen Urlaubs! Ein Minibus bringt mich und eine Handvoll Reisender dann mit reichlicher Verspätung zum Hafen, wo wir wieder lange warten, bis etwa 20 Uhr. Dann werden wir umständlich in den Schlafbus eingeladen, den wir gleich darauf, an Bord des Schiffes, auch schon wieder verlassen. Die Überfahrt zum Festland dauert netto exakt 90 Minuten. Die Passagiere verbringen sie überwiegend in einem großen Saal auf dem Oberdeck, wo zwei Fernseher links und rechts jeweils neben den Kisten mit den "Life Saving Chests", also den lebensrettenden Brüsten, mit Frühlingsfest-Shows und Kriegsfilmen unterhalten. Wem das nicht reicht: Noch mehr Unterhaltung bietet ein junges chinesisches Ehepaar mit Kind. Der Gatte und seine bessere Hälfte beginnen eine wilde Prügelei. Erst mal schaut alles zu. Dann rufen einige den „shifu“ („Meister“) und der kann dann mit Hilfe einiger beherzter Männer die Streithähne auseinander bringen. Die Diskussion zwischen dem gewaltbereiten Gatten und den Schlichtern ist auch noch nicht abgeebbt, als ich nach fünfzehn Minuten an Deck, wo ich mir die steife Brise um die Ohren wehen lassen und mich dem peitschenden Regen ausgesetzt habe. Die heitere Sommer-Atmosphäre von Sanya liegt endgültig hinter mir.