Mao'an
Wegen des nahen Frühlingsfestes zerschlägt sich mein Plan, weiter durch die Inselmitte nach Qiongzhong zu reisen, wo ein 300 Meter tiefer Wasserfall wartet. Denn der Busbetrieb ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Stadt Tongshan wird auch immer mehr zur Geisterstadt. Ich mache aus der Not eine Tugend und entscheide mich für einen Abstecher nach Mao'an, einen kleinen Ort, den mein Reiseführer als typisches Dorf der Miao-Minderheit beschreibt. Aber sooo traditionell kommt mir Mao'an jetzt auch wieder nicht vor. Auch hier gibt es überall Baustellen und Modernisierungsmaßnahmen. Ich finde dann doch noch einen etwas rückständigeren Ortsteil und werde hier auch prompt zur allgemeinen Attraktion.

Wieder an der Hauptstraße angelangt, machen mich die Einheimischen total nervös: Heute komme sicher kein Bus mehr, aber für vierzig Yuan werde ein freundlicher Moped-Fahrer mit desolaten Zähnen und roter Farbe überall am und im Mund mich zurück in mein Hotel bringen. Nach einigem zermürbenden Warten lasse ich mich überreden. Klar, dass uns, während mir hinten auf dem Moped der Fahrtwind um die Ohren weht, der Bus aus Sanya überholt. Der Mopedfahrer mit dem roten Mund versichert zwar, dass der in Mao'an nie im Leben gehalten hätte, aber was sollte er auch sonst sagen?
Zusehends versinkt Tongshan wie jetzt kurz vor Anbruch des chinesischen Neujahrs jeder bewohnte Flecken Erde von China, in Knallerei und Böllerei. Bomben können nicht lauter sein! Getreu meiner Devise Brot statt Böller diniere ich erst mal. Gegen elf Uhr mache ich mich auf den Weg zum Fluss und schaue von einem kleinen Pavillon aus dem Feuerwerk zu.Willkommen im Jahr des Tigers!