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Freitag, 12. Februar 2010

Nach fünf im Urwald
Von DM, 23:59


Klar, dass die höchste Erhebung der Insel Hainan, der so genannte Fünf-Finger-Berg, vor mir nicht sicher ist. 1867 Meter, die sind doch an einem Tag zu schaffen. Schon um 10 Uhr verlasse ich das Hotel in Tongshan, direkt gegenüber vom Busbahnhof. Für fünf Yuan geht es 45 Minuten lang mit dem lokalen Bus zum Naturreservat Fünf-Finger-Berg, wo ich in eine Motor-Rikscha umsteigen muss. Ich kurve also mit meinem Fahrer durch die malerische Gegend, dann kommen wir an einen Kontrollpunkt, den eigentlichen Eingang, wo ich 15 Yuan entrichten muss (ein Eintrittspreis wie geschenkt im Vergleich zu den horrenden Preisen in Sanya). An einer kleinen ausgestorbenen Siedlung, in der eine Familie in einer kleinen Baracke einen Laden betreibt, weist mich der Fahrer auf ein paar Stufen hin: Das sei der Weg. Anders als in Huangshan gibt es hier aber nur am Anfang Stufen, der Rest des Aufstiegs ist mühsamer Trampelpfad in bester Indiana-Jones-Tradition. Es sind auch nicht jene Horden unterwegs wie an den berühmten Bergen, nur vereinzelt trifft man andere Bergwanderer. Kurz vor dem Gipfel etwa treffe ich einen Schweizer mit chinesischem Anschluss. Er kommt ausgerechnet aus Lausanne, wo ich ja bekanntlich ein Jahr studiert habe. Auch ein kleines Mädchen, vielleicht sechs Jahre alt, kämpft sich an der Seite von Papa und Mama tapfer nach oben.

Vom Gipfel aus sieht man leider fast nur Wolken, aber unterwegs konnte man dann doch ein paar Lücken ausmachen und den Talblick genießen. Vielleicht etwas zu sehr, denn auch der Abstieg dauert noch einmal zwei bis drei Stunden. Leider habe ich auch keine Uhr dabei. Die liegt kaputt in Nanjing. Eigentlich kann man sich ja an fünf Fingern abzählen, wohin das führen muss: Als ich unten im feuchten Nebel des Tropenwaldes ankomme, ist alles finster und wie ausgestorben. Es muss  bereits nach 19 Uhr sein. In der Ferne flimmert ein Fernseher mit einer Kindersendung. Hier sitzt die kleine Tochter des Barackenladenbetreibers vor der Kiste und ihr Vater verkauft mir einen stärkenden Trinkjoghurt und ruft die Motor-Rikscha, auf der ich anschließend friere wie ein Wüstenfuchs am Nordpol. Es ist im Nebel gar nicht mehr tropisch warm! Die nächste Hiobsbotschaft: Es gibt keinen Bus mehr und auch kein Taxi, um zurück nach Tongshan zu kommen. Privat lässt sich was organisieren: für 200 Yuan. Prost Mahlzeit! Geschockt esse ich erst mal was in einem kleinen Restaurant. Danach wandere ich auf Verdacht in die Richtung, aus der ich morgens mit dem Bus gekommen bin. Vielleicht kann ich wie letztes Jahr in Xinjiang per Anhalter fahren. Es ist stockfinster. Hier heulen nicht mal mehr Hunde. Ich winke einem entgegenkommenden Auto mit drei Chinesen und frage, ob das hier Zukunft hat. Sie bieten mir für 200 Yuan eine private Taxifahrt an. Ich versuche zu handeln:150. Zwecklos. Todmüde komme ich gegen halb zehn dann doch noch im Hotel an, wo eine Ratte auf dem Fensterbrett den Tag gekonnt abrundet.

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