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Dienstag, 23. Februar 2010

Das Astrologen-Dorf und der rote Felsen
Von DM, 23:59

Die letzte größere Aktion in dieser vorlesungsfreien Zeit: Ich reise auf Einladung von Feiqian alias "Julia" (siehe Jahresrückblick 15.1., Studentin links vom Pastor) in deren Heimat Wuyi (Provinz Zhejiang), zwei Stunden von Hangzhou entfernt. Mit dem Bummelzug bin ich 12 Stunden unterwegs, habe aber einen Platz im Schlafabteil. Verspätet komme ich gegen ein Uhr nachts am Bahnhof von Wuyi an. Leicht verfroren wartet Feiqian samt Papa schon am Ausgang. Der Papa hat ein Auto. Das setzt mich dann bei Feiqians Mama ab, die aber seit mehr als zehn Jahren von ihrem Papa geschieden ist und auch nicht mit ihm redet. Dort beziehe ich das kleine Eckzimmer im Parterre. Heizung gibt es bekanntlich südlich des Jangtse nicht. Das Zimmer ist eiskalt, aber es leuchtet das Lämpchen der Heizdecke, die für mich im Bett installiert wurde. Das ist auch gut so; schließlich ist Februar: mein Erkältungsmonat.. Tagsüber führt uns der Papa mit seiner neuen Frau und Feiqians Halbschwester in das (so die englische Beschilderung) Astronomen-Dorf Yuyuan. Es muss aber doch wohl eher ein Astrologen-Dorf sein. Denn in dem malerischen alten Ort kann ich keinerlei sternenkundliche, dafür umso mehr volkstümliche Elemente ausmachen, eine alte Bühne, einen Tempel etc. Man muss sich das Ganze vorstellen wie so eine Art Freilichtmuseum, in dem aber überall noch Leute wohnen - ganz echt und in Farbe. Farbenfroh präsentiert sich am Nachmittag auch der "Hongyan", der rote Felsen, der nach einem kleinen Mittagessen in rustikaler Umgebung, irgendwo auf einem kleinen Dorf irgendwo auf einem kleinen Hügel, angesteuert wird. Da darf ich dann mit Feiqian alleine raufkraxeln (es gibt überall Stufen, es lebe die Natur!). Zahlen muss ich auch für diesen Naturpark keinen Eintritt. Der Papa hat die Eintrittskarten immer irgendwie schon in der Hand. Er ist Beamter bei der Stadt und hat da vorher irgendwas mit seinen Kumpels von der Verwaltung gedreht. Weiß ich, was! Feiqian weiß auch von nix! Der Hongyan ("roter Felsen") erinnert von ferne an diesen berühmten Ayers Rock in der australischen Wüste, nur ist er nicht ganz so nackt und ragt auch nicht ganz so unvermittelt aus der Landschaft empor. Hier in Zhejiang ist es nämlich generell ein bisschen hügeliger als in Jiangsu. Die Sonne tobt sich an diesem Vorfrühlingstag richtig aus und das Thermometer kommt auf über 25 Grad. Ich kann jede Stufe nur unter Erduldung einer jähen Kopfschmerzattacke nehmen, die neueste Spielart meiner verschleppten Erkältung. Aber wir schaffen es dennoch auf den höchsten begehbaren Punkt, kommen noch durch eine gut auf Stufen durchschreitbare kleine Felsspalte und dann unterhalb der Steilseite des Hongyan, der steil wie die Eiger Nordwand und rot wie der Tennisplatz von Roland-Garros über uns aufragt, wieder nach unten. Auf einer kleinen Schaukel warten wir unten am Eingang auf Feiqians Papa. Wieder daheim schicken wir ihn mit seiner jungen Familie in den Feierabend. Feiqian macht noch eine kleine Stadtführung und wir essen ein paar Kebab-ähnliche Teigtaschen in dem Laden um die Ecke. Dann trifft sie bei KFC noch ein paar Freundinnen, die sie wegen ihres Deutschlandstudiums längere Zeit nicht sehen wird, und dann geht es ins Bett mit der Heizdecke.

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