Absolventen auf der Atemschaukel, Aspiranten im Auswahlgespräch
Tja, was soll ich sagen bzw. schreiben? Es gibt wenig Neues. Routine ist eingekehrt. Grüner Schleim besiedelt immer noch Hals und Nase. Unterricht von Montag bis Mittwoch. Danach kann ich mich zwei Tage lang den Korrekturen widmen oder meinen Beitrag zur Ringvorlesung Ende März vorbereiten: "Von Paulus zu Luther - eine kleine (literarische) Kulturgeschichte".
Am Vormittag hatte ich Unterricht bei den Absolventen, die eine schwere Deutschprüfung hinter sich haben, ohne die sie den Abschluss nicht machen können. Doch zum Durchatmen bleibt wenig Zeit. Denn nun gilt es, die Aufmerksamkeit wieder auf die Abschlussarbeit zu lenken. Und ich mache etwas Werbung für die neuen Bücher, die das Goethe-Institut mir geschickt hat: Herta Müller und ihre "Atemschaukel" natürlich vorneweg. Dazu der neue Roman von Nora Bossong, die uns ja im letzten Semester persönlich die Ehre gegeben hat.
Die Bibliothek, wo die neuen Schmöker lagern, musste ich heute freilich nach einer Stunde schon wieder schließen, weil ich um 14 Uhr am Auswahlgespräch für die nächsten Doktoranden mitzuwirken hatte. Dass Aspirant Nummer drei unser aller werter Kollege Li Bin aus dem Fachbereich sein würde, traf mich völlig unvorbereitet. Es ist nun aber - weder für mich noch für die drei anwesenden Kolleginnen - nicht ganz einfach, hundertprozentig objektiv zu bleiben, wenn einer der drei Kandidaten, die für zwei Doktorandenplätze ausgewählt werden müssen, ein direkter Kollege ist, auf dessen Hochzeit man vor ein paar Monaten noch ausgiebig geschlemmt hat. Und siehe da, wer hätte das gedacht: Völlig überraschend landet Herr Li auf Platz 2!