Du stirbst nicht

Danyu, die neurotische Künstlerin, die schon mehr als einmal Gegenstand im sin-o-meter war, z.B. als Fotomodell am 27.12.2009), liegt seit zwei Wochen mit Hepatitis E im Krankenhaus. Originalzitat: "Gai zenme wangdiao zhe shanghai (Wie soll ich diesen Schmerz vergessen)?" Nun ist ja heute dieser Feiertag (eigentlich ist der am 1. Mai, aber da der auf einen Sonnabend fiel, wird hier im Arbeiter- und Bauernstaat dann einfach der Montag rangeflickt) und so mache ich mich auf zu einer meiner berüchtigten Irrfahrten. Mit der U-Bahn bis zur Haltestelle Maigaoqiao, das geht ja noch, aber dann: Wo steckt dieser Bus Nr. 72? Ich renne bei fast 30 Grad im Schatten wie ein aufgeschrecktes Huhn herum. Da ist ein Bus 72, aber das ist in Wirklichkeit eine 22 (Zahl vorne übergeklebt). Fahrgäste, die auf einen anderen Bus warten, empfehlen mir Nr. 53. Auf dem Weg zu Nr. 53 hundert Meter weiter erblicke ich aber unverhofft eine Nr. 72 im Straßenverkehr. Ich folge der Fährte bis zur nächsten Haltestelle. Da frage ich Fahrgäste, aber die haben beide keine Ahnung. Auf dieser Strecke gebe es keine Station namens "2. Nanjinger Krankenhaus". Also, folgere ich, falsche Richtung. Ich wechsele auf die Gegenseite. Zehn Minuten danach stehe ich an einem anderen Halt der Linie 72 und treffe kundigere Leute. Die zeigen mir die Schriftzeichen für das 2. Nanjinger Krankenhaus. Ich muss nur auf die andere Straßenseite. Im Klartext: Ich war eben gerade schon richtig! Ich ergattere einen Sitzplatz und beginne die Stationen mitzuzählen. Elf an der Zahl. Die erste ist die, an der ich vorher gerade die Unwissenden gefragt habe, die längst nicht mehr dort stehen. Am Ende hilft mir auch der Busfahrer, richtig auszusteigen.
Mit dem Krankenhausfahrstuhl des 2. Nanjinger Krankenhauses, das übrigens hochmodern und neu aussieht, lande ich dann erst mal auf Station. Nix wie wech. Endlich finde ich auf der anderen Gebäudeseite einen Fahrstuhl, der hoch bis zum 13. Stockwerk fährt. Dort tut Danyu total überrascht. Hätte ja nie gedacht, dass ich tatsächlich käme, und will mich auch gar nicht wieder weglassen. Sie hat ein Einzelzimmer erstritten (natürlich nicht das auf dem Foto), indem sie so lange Krach geschlagen hat, bis der Oberarzt klein beigab: Man könne sie doch nicht mit HIV- und Hepatitis-A-B-C-Leuten ins selbe Zimmer sperren, das sei ja lebensgefährlich! Wie man hört, geht's der Patientin schon wieder ganz gut.
Das passende Buch habe ich heute auch den ganzen Tag mit dabei (die Autorin besucht unsere Uni am 19. Mai): "Du stirbst nicht". Spielt im Krankenhaus.