Oben gibt's den Himmel. Und unten?
Wohin könnte man sich am Himmelfahrtstag besser begeben als nach Suzhou, der Stadt, der in China sogar ein Sprichwort gewidmet ist, das jeder Chinese kennt: Oben gibt es den Himmel, unten Suzhou und Hangzhou. Berühmt ist die 2500 Jahre alte Stadt (mit dem Zug neunzig Minuten von Nanjing) für Seide, für ihre einst zwanzig Kanäle und mehr als 350 Brücken und ihre historischen Parks, früher von Künstlern raffiniert angelegte Refugien für Aristokraten, Gelehrte und pensionierte Beamte, heute Einnahmequellen im Sektor Tourismus.
Ich habe keinen Reisepass mitgenommen und muss es natürlich wieder mal auf ein Vabanquespiel ankommen lassen. Nach der Fahrt vom Bahnhof mit Bus Nr. 1, der einmal mitten durch die Stadt fährt, bekomme ich nun ungeahnte Schwierigkeiten beim Finden eines Hotels. Erst beim dritten Anlauf ist man bereit, mich aufzunehmen. Aber auch im "Hanting Express" gibt es zwei skeptische Rezeptionisten. Mit dem besten mir zu Gebote stehenden Pokergesicht stehe ich an der Rezeption und erkläre unerschütterlich: Das sei alles gar kein Problem. Auf dieser "grünen Karte", die mir von der Provinzregierung ausgestellt wurde, stehe nicht nur die Nummer meines deutschen Passes, sondern es sei doch dies auch unzweifelhaft ein hochgradig offizielles Dokument! Tja, das wisse er nicht, meint der junge Herr auf der anderen Seite verunsichert und ruft den Oberboss an, während ich demonstrativ gelassen mein zweites Pfefferminzbonbon aus der Dose auf der Theke in den Mund stecke. Am Ende werde ich in Gnaden aufgenommen. Trotzdem hat mich mein sprichwörtliches Glück auf dem Weg zum jeweils günstigsten Hotel diesmal im Stich gelassen: Für die zweite Nacht wird sogar noch ein Wochenendzuschlag fällig. Umgerechnet fast hundert Mark kosten mich die beiden Nächte hier! Dafür ist die Absteige aber auch bei weitem nicht so heruntergekommen wie meine sonstigen Klitschen.