WM an der Mauer
Man kann es als einen deutschen Biergarten in China bezeichnen, das kleine Stück Rasen zwischen dem bereits im Eintrag am 9. Juni erwähnten deutschen Bar-Restaurant "Secco" und der Stadtmauer, in deren unmittelbarer Nähe sich die Kneipe befindet. Und genau hier, also zwischen Bar und Mauer, hat die "Secco"-Mannschaft vor einer Reihe von Tischen und Bänken eine Großleinwand aufgespannt, vor die die Deutschen in der Stadt in Scharen gepilgert sind. Zu diesen Scharen gehören neben meiner fußballbegeisterten Kölner Kollegin vom Goethe-Lehrzentrum auch Cathy und ich. Wir haben uns entschieden, dass wir Hitze und Mücken trotzen und uns die Party gegen England nicht entgehen lassen, obwohl ich zunächst mal gar nicht so sicher bin, dass es eine Party gibt. Später gesellen sich auch noch Cathys Freundinnen Jane und Lilly dazu. (Cathy hat mir erklärt, dass Janes chinesischer Name zu männlich klingt; deswegen reden sie sich jetzt immer alle mit ihren englischen Namen an.) Kurz nach dem Anpfiff erobern englische Fußballfreunde kurzzeitig das Terrain, indem sie mit Tröte und Rotkreuz durch die Reihen der Bänke ziehen. Es hat sich dann aber bald ausgetrötet. Denn bekanntlich fallen die deutschen Tore in diesem Spiel wie reife Pflaumen von den Bäumen. Ein besonders begeisterter Chinese skandiert wie im Rausch: "Fünf zu null, fünf zu null!" Beim Stand von 4:1.
Als wir in klebrigen T-Shirts den Heimweg antreten, können wir es immer noch nicht glauben. An Schlaf ist auch weit nach Mitternacht überhaupt nicht zu denken. Und morgen habe ich zwei Prüfungen!