Kafka in Nanjing
Die elektronische Post, die ich heute an meinen Pekinger Vorgesetzten Hase-B. schicke und die obige Betreffzeile hat, spricht im Grunde für sich. Hier und exklusiv im sin-o-meter die leicht gekürzte Wiedergabe:
[...] Ich befinde mich hier in Nanjing seit etwa zwei Wochen in einer Situation von kafkaesken Ausmaßen. Während ich mit den Vorbereitungen für die Veranstaltung mit Stephan Thome und für das Lektorentreffen in Nanjing mitten in lektoratstypischen Aufgaben stecke, die mich in der trügerischen Sicherheit wiegten, respektable Arbeit zu verrichten und dies noch ein paar Jahre tun zu dürfen, lese ich auf Hinweis [vom Akademischen Austauschdienst in Bonn auf] die neuen Lektoratsstellen, dass ich gewissermaßen in Nanjing auf der Abschussliste stehe. Nun das Kafkaeske: Niemand hat mich darüber in Kenntnis gesetzt, weder in Nanjing, wo ich mich mit den Kollegen bestens verstehe, noch in Beijing und auch in Bonn herrscht betretenes Schweigen. [Die eine] hat sich schnell in den Urlaub abgemeldet und von [denen, die zu erreichen sind,] ist zu hören, von dir sei sicher was zu hören, sie könnten dazu nichts sagen; von dir ist aber auch nichts zu hören. Kafkaesk eben.
Ich bin aber guter Hoffnung, dass ich mich am Ende nicht wie K. auf einen Hinrichtungsbock begeben muss, sondern vorher aus dieser beklemmenden Lage befreit werde [...].