Grenzgänge zwischen Ost und West 2
Heute nun eine Lesung aus Thomes Erstling "Grenzgang" am Vormittag und am Nachmittag ein Vortrag zum Problem der Übersetzung Kant'scher Begrifflichkeiten ins Chinesische: "Der Philosoph Kangde: Kants chinesischer Doppelgänger. Zum Problem der Hybridität moderner Philosophie in China". Thomes These: Eigentlich gebe es ja zwei Kant-Philosophien: die des deutschen Originals und die der Übersetzung ins Chinesische. Der Saal ist gut gefüllt. Leider haben wir beide nicht gemerkt, dass ich statt der PDF-Datei eine Word-Datei auf dem Computer geöffnet habe, sodass alle chinesischen Begriffe als kleine leere Kästchen auf der Leinwand erscheinen.

Zwischen den beiden Vorträgen essen wir im Xin Zazhi zu Mittag und Thome plaudert etwas aus dem Nähkästchen: Herta Müller sei ein Unikum, ihre Sprache so faszinierend wie sie selbst in ihrer singulären Art. Dass Bernhard Schlink mit seiner langweiligen Prosa nun das Aushängeschhild der deutschen Literatur sei, kann Thome dagegen überhaupt nicht nachvollziehen.
Abends schließlich kann ich dann die unbürokratisch bewilligten Fördergelder mal so richtig sinnvoll einsetzen: Ich lade den Autor zusammen mit deutschen und chinesischen Studenten zu Bier und Pizza ein. Und der deutsche Staat bezahlt. Ein Prosit auf die Völkerverständigung!