Welcome back, Mr. Zhou!

Cathy lacht sich halb tot, als sie mich nach der Party mit Mr. Zhou am Arm auf dem Weg zum Taxi sieht. Ich als Altenpfleger, das passt ja gar nicht, gibt sie mir zu verstehen. Ich muss zugeben, ganz wohl fühle ich mich in dieser Rolle tatsächlich nicht. Wie bin ich noch mal in diese merkwürdige Lage hineingeraten? Michael, das einundsiebzigjährige, zweimal (bald dreimal) geschiedene englische Party-Wunder, hat wieder mal zu einer seiner legendären Partys eingeladen. Meine Zusage hat er mit der telefonisch vorgetragenen Bitte verknüpft, doch bitte den 83-jährigen Mr. Zhou mitzubringen – per Taxi. Dabei mag ich Taxis gar nicht.
Ich drücke also vor dem Campus dem Taxifahrer den Zettel mit den beiden Telefonnummern von Mr. Zhou in die Hand und er soll das mal regleln. Zwanzig Minuten später deutet er auf die Gestalt eines älteren Mannes am Straßenrand. Ich erkenne Mr. Zhou nach über einem Jahr kaum wieder. Und erst jetzt, da ich ihn begrüße und er mich bittet, langsam zu machen, wird mir klar, dass Mr. Zhou seit einem Schlaganfall vor ein paar Jahren halbseitig gelähmt ist. Aber klar im Kopf! Gemeinsam trudeln wir mit einstündiger Verspätung am Blue Gulf ein. Außer Cathy alias Jiakun ist auch die kleine Li alias Jianqing mit ihrer besten Freundin zugegen, die ich eingeladen hatte. Außerdem lerne ich an diesem Abend noch einen merkwürdigen Medizinstudenten mit dem Künstlernamen Murruy Novak kennen (1. Foto links), der gern Tennis spielt, aber aus Schwäche keinen einzigen Stopball erläuft, wie ich erst später zu meinem Leidwesen herausfinden werde, und "Floria" alias Liu Meng (2. Foto rechts). Die in schicke Klamotten gehüllte Design-Studentin an der Nanjinger Universität für Holzwirtschaft bietet mir auch gleich spontan ihre Freundschaft an. "I want to make friends with you!"

Natürlich liefere ich Mr. Zhou, übrigens bekennender Atheist, auch ordnungsgemäß wieder zu Hause ab und versuche ihm unterwegs unter Verwendung eines ihm von mir überreichten Johannes-Evangeliums in chinesischer Sprache klar zu machen, dass er sich die Sache mit Gott noch mal überlegen solle, alt genug sei er ja. "God gives you a chance to think it over!", doziere ich. Von Mr. Zhous Wohnung aus gehe ich dann zu Fuß am Fluß Qinhuai entlang nach Hause.

Die kleine Li wird mir später von mehrdeutigen Einladungen (und dem von ihr erkannten Bösen im Auge) anderer Gäste berichten und Novak wird sich später, nach zwei Verabredungen zum Tennis auf dem Uni-Campus Xianlin, als offenbar bisexuelle Nervensäge entpuppen, die sich gelegentlich in anrüchigen Schanghaier Clubs um stimmungssteigernde Begegnungen bemüht und flüchtige Bekannte mit indiskreten Fragen nervt. Weitere Details muss ich hier leider aussparen. Michaels Partys sind auch nicht mehr das, was sie mal waren...