Kapitän und Künstler
Ein bisschen Andy-Morgan-Romantik weht durch den Hörsaal des Sprachlehrgebäudes unserer Uni, als Hervé Claeyssen unter dem Titel "Carnets de Voyages" von seinen Reisen als Handelsschiffskapitän berichtet: auf die Antillen, nach Afrika und schließlich auch an chinesische Gestade, die es ihm besonders angetan haben. Er präsentiert zur Illustration seiner 32 Jahre auf hoher See, die ihn von einem bürgerlichen Leben mit Frau und Familie abgehalten haben, selbst gemalte Bilder, Aquarelle und Skizzen. Alles in französischer Sprache. Denn die Veranstaltung hat mein Kollege Alain von der Französisch-Abteilung anberaumt, mit dem ich jetzt regelmäßig montags Tennis spiele. Und Käpf'n Claeyssen ist auch nicht zufällig hier, er ist nämlich Alains Onkel und stammt aus dem gleichen kleinen Küstenort in Nordwestfrankreich unweit von Dünkirchen. Neben mir in der letzten Reihe sitzt der Dekan der Französisch-Abteilung, der natürlich mitten in der Veranstaltung einen Anruf auf dem Mobiltelefon beantworten muss, so dass ich von dem Kommentar zum Dia-Vortrag nur noch die Hälfte verstehe. Aber wenn einer in China keine Rücksicht nehmen muss, dann sind es Chefs.