Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in uns'rem Hause sein!
Ich nutze die Reise nach Xianlin zum Adventssingen um mich vorher in der Nähe gelegenen Außencampus der Nanshida mit der kleinen Li Jianqing zu treffen, die ich schon länger nicht gesehen habe. Sie musste gerade schweren Herzens eine Spontanreise nach Harbin absagen,weil ihre Mitreisenden sich unerlaubt vom Unterricht entfernen wollten, aber leider aufgeflogen sind. Wir haben uns leider gruselig trübes, kaltes und regnerisches Wetter ausgesucht und landen schließlich in einem Supermarkt, wo wir uns mit Keksen und Kinderschokolade eindecken. Ich nehme mich noch eines zitternden Hundes an, der vernachlässigt vor dem Supermarkt sitzt und auf Frauchen wartet. Die kleine Li dagegen hat Angst vor Hunden. Sie nimmt den Bus zurück zu ihrer Uni, nicht ohne mir eine Weihnachtskarte mit vier Seiten Text ausgehändigt zu haben ("You're a very nice person. [...] Does God really give you a better direction in life?"), während ich von hier aus zu Fuß zu der Bodelschwingh'schen Veranstaltung gehen kann. Ich lande zwar erst in der falschen Siedlung, aber das macht nichts, ich habe Zeit genug.
Fast zeitgleich mit mir als erstem Besucher trifft der Schweizer Lehrer Georg aus Fribourg ein, einer Stadt, die ich 1992 ausgiebig erkundet habe. Georg unterrichtet dort Deutsch, wo Karls Kinder zur Schule gehen. Insgesamt kommen etwa ein Dutzend Leute, plus Kinder. Aber die verabschieden sich schon nach den ersten Liedern in den ersten Stock.
Es gebt Lebkuchen und später auch noch drei Sorten Suppe, von Charlotte wie immer mit großem Sachverstand zubereitet. Georg und ich sind auch die letzten, die gehen, hinaus in Regen und Dunkelheit. Nanjing hat sich gleichsam das Wetter ausgeliehen, das es sonst am 3. Advent in Deutschland gibt.