Ganlanba
Einen Elefanten bekomme ich heute dann doch noch zu sehen, einen für Touristenfotos abgestellten mit Fußfessel und Sänfte auf dem Buckel, auch schon leicht verhaltensauffällig. Er steht am Eingang zum Garten der Dai-Ethnie, in den ich eher zufällig geraten bin. Ich war eigentlich auf dem Weg nach Manmaisangkang, aber der Bus kommt auf der Strecke, die dem Flusslauf des Mekong folgt, nur bis Ganlanba, wo ich keinen Anschluss habe. In Ganlanba zieht mich ein palmengesäumter Fahrdamm an, der zwei Seen trennt. Ich wandere den See entlang, dann folge ich einem Weg am Rand eines Bananenfeldes und komme mitten im Garten der Dai-Ethnie heraus und auf dem Weg lag auch gar kein Kassenhäuschen, obwohl ich sicher bin, dass dieses Freilichtmuseum mit lebendem Anschauungsmaterial Eintritt kostet. Angesichts der Pleite mit den Elefanten gestern habe ich auch gar keine Skrupel hier ohne Eintritt hereingekommen zu sein. Neben dem bedauernswerten Dressur-Elefanten sehe ich nun auch das nachgestellte Wasserspritzfest, das die Dai normalerweise nur einmal im Jahr abhalten, nämlich am 14. April. Von einem großen Springbrunnen aus, in dem die Damen und auch ein paar Herren in traditionellen Trachten knöcheltief im Wasser stehen, wird also wild gespritzt. Wer von den Touristen trocken bleiben will, geht besser mal auf Abstand.

In einer Arena nebenan werden wieder folkloristische Tänze aufgeführt. Die Musik scheppert mir zu laut, ich gehe weiter und durchquere gleich mehrfach das Dorf, das geprägt ist von diesen blassbraunen Dai-Häusern mit grauen, verschachelten Schindeldächern. Auch hier wird überall gebaut oder Holz gesägt. Wer den Touristen genug Geld aus der Tasche gezogen hat, ersetzt die alte Kate durch eine neue und die alten Schindeln durch knallblaue Keramikdachpfannen. Das sieht dann natürlich nicht mehr so touristentauglich tradítionell aus. Am Ende des Dorfes stoße ich wieder auf den Mekong. Ich wandere einen Hang hinab. Dort unten am sandige Ufer legt gerade ein kleines Motorboot an. Ein älterer Mann hat sich auf dem anderen Ufer, hinter dem im blauen Dunst die grünen Bergriesen im blaugrauen Dunst schimmern, ein tolles Panorama, mit Tropenfrüchten (Papaya usw.) eingedeckt und schleppt nun ein Joch mit zwei Körben den Weg hinauf. Den Manting-Tempel muss ich noch sehen: Durch den Tempel (die Gold-Buddhas sitzen hier immer gern vor gemalten Bäumen, Bäume scheinen im Hinayana-Buddhismus eine besondere Rolle zu spielen) rauscht der Wind und lässt die Klingglöckchen klingen. Nebenan zieht offenbar gerade eine Gruppe Westler zu einer fernöstlichen Therapie ins Tempelhäuschen. Man sieht auch immer mal ein paar Mönche in diesen orangenen Gewändern herumwandeln. Als ich zu lange zuschaue, was die Westler mit den Rucksäcken da machen, komplimentiert man mich nach draußen. Ich gehe wieder zurück zum See, übrigens umgeleitetes Mekong-Wasser, und gelange in ein Baugebiet. Hier entstehen neue Hotels. Der nette junge Mann am Wächterhäuschen lässt mich aber durch. Über einen zweiten Damm, der den See noch einmal teilt und auf dem Bananen wachsen, gelange ich wieder auf die Seeseite, von der aus meine heutige Expedition begann, wandere noch einmal über den Fahrdamm mit den Palmen, der mir so gut gefällt, und sitze alsbald wieder im Bus nach Jinghong.
Abends ziehe ich im Dicos, der chinesischen Ausgabe von Kentucky Fried Chicken, die verstörten Blicke sämtlicher im Gasthaus sitzender Chinesen auf mich. Einen Moment lang glauben alle, ich bin irr. Ich stehe gerade an der Kasse, als eine Mama mit Kleinkind hereinkommt und letzteres sofort laut zu kreischen anfängt. Reflexhaft kreische ich zurück. Ja, scheint ja hier normal zu sein so'n bisschen Rumgekreische! Trotzdem ist die Kreischerei nun dann doch erst mal vorbei.