Auf der Suche nach Uwe Johnson
Wirklich, ich schwör’s: Ich wollte heute mal ein teureres Hotel nehmen, ich hatte meine Sachen auch schon dort auf der Theke liegen, aber es will einfach nicht klappen. Denn plötzlich fällt mir ein, dass ich mein Uwe-Johnson-Buch (aus meiner eigenen Bibliothek ausgeliehen) und einige andere Sachen im Bus habe liegen lassen. Dem Taxifahrer, einer von denen, die am Busbahnhof die Reisenden abfangen und die sie gar nicht rasch genug in ihre fahrbaren Untersätze verfrachten können, bedeute ich also: Alles zurück auf Null! Wir sausen flugs zurück zum Busbahnhof von Daluo, wo mich die eben mit ihrem Transportangebot abgeblitzten Zweiradtaxifahrer freudig wieder begrüßen. Doch ich komme zu spät: Der Busfahrer ist schon entschwunden. Was tun? Gemeinsam überlegen die Bediensteten vom Busbahnhof, mein Taxifahrer und ich. Dann fällt der Fahrkartenverkäuferin ein, wo der Fahrer untergebracht sein dürfte, da fahren wir nun hin. Prompt finde ich auch den Bus, verriegelt, und der Fahrer ist nicht da. Also bleibe ich hier. Der Fahrer wird schon irgendwann auftauchen. Die Unterkunft kostet genau wie in Jinghong achtzig Yuan, ist aber etwas vornehmer. Abends klopft es dann bei mir an der Tür: Uwe Johnson ist wieder da! Übrigens ein sterbenslangweiliges Buch! Nun könne ich also ruhig und zufrieden sein, aber gegen Mitternacht klopft es wieder, allerdings an des Nachbars Tür. Dazu ruft eine Stimme ohne Unterlass: "Hello! Hello!" Nach einer halben Stunde muss man doch selbst mit einstelligem IQ mal kapieren, denke ich entnervt, dass da jemand nicht öffnen will oder nicht da ist. Schließlich springe ich in meine Hose und beschwere mich. Ein junger Mann steht da verdattert im Gang und ein junges Mädchen neben ihm. Sie ziehen ab und jetzt ist Ruhe! Ich werde noch zum Neurotiker mit diesen nächtlichen Ruhestörungen immer!