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Samstag, 22. Januar 2011

Nannuo Shan
Von DM, 23:59

Ich bin gestern Abend in Menghai eingetroffen und habe dort ein ziemlich miserables Hotelzimmer bezogen: Eine Ecke ist ungleichmäßig grün angepinselt worden. Ein Fragment. Den Maler hat in Anbetracht der hässlichen Farbe entweder der Schlag getroffen oder er ist von der Leiter geschubst worden, als er für seine Arbeit bezahlt werden wollte; jedenfalls ist es bei dieser halb grün gestrichenen Ecke geblieben, der Rest ist weiß. Das Bad taugt auch nichts, aber immerhin verfüge ich hier im obersten Stockwerk über eine Glasfront mit Blick auf die Stadt. Und dann noch das: Kurz vor oder nach Mitternacht muss ich runter in das Stockwerk unter mir. Da ist eine Schulklasse oder Kinder-Sportmannschaft völlig außer Rand und Band! Die schreien da rum und knallen mit Türen. "Noise like in a football stadium!", schimpfe ich, weil ich "Fußballstadion" auf Chinesisch nicht sagen kann, auf Englisch. Man entschuldigt sich wenig schuldbewusst. Es wird dann doch etwas ruhiger.
Heute nun bin ich auf dem Weg zu meinem eigentlichen Ziel: dem Nannuo-Berg (Nannuo Shan), berühmt für seine Teepflanzungen. An der Stelle, wo der Bus mich rausschmeißt, bin ich erst mal ratlos und esse in einem Straßenrestaurant eine Nudelsuppe. Dann frage ich meinen Sitznachbarn und da auch im "Lonely Planet" von 1988 von einer Brücke die Rede ist, die man überqueren müsse, folge ich also den übereinstimmenden Hinweisen und komme hinter der Brücke über die Schnellstraße, einem schmalen Wanderpfad folgend, auch bald an den ersten Teeplantagen vorbei. Schöner Talblick! Aber plötzlich bin ich in einer Sackgasse, vor mir Teepflanzen ohne Ende, über mir ein paar Bananenstauden, aber kein Weg mehr! Ich erinnere mich an eine Weggabelung, die ich vorhin passiert habe. Die habe ich rechts liegen gelassen, weil es dort in den Busch ging. Doch das war wohl der richtige Weg. Es wird immer dichter und dunkler um mich, die Bäume höher und gewaltiger: Ich bin wieder im Tropenwald, diesmal ohne Park. Aber in der Ferne röhrt schon die Motorsäge, als wollte sie sagen: Diese paar Hektar kriegen wir auch noch klein!
Es ist schon ziemlich spät, als ich oben auf dem Berg auf eine breitere Sandpiste und ein Bergdorf stoße, in dem mich überall Hunde anbellen. Auf der anderen Seite des Grats bietet sich mir ein monumentales grünes Gebirgs-Panorama, durch das ich mich belohnt fühle für den Mut trotz vorgerückter Stunde diesen Weg bis zum Ende zu gehen. Doch jetzt ist es wirklich schon ziemlich spät. Nach sieben dürfte ich unten an der Hauptstraße kaum noch einen Bus erwischen. Ich bin unentschlossen: Soll ich der breiteren Straße folgen, die zweifellos ins Tal führt? Das raten mir jedenfalls alle Einheimischen, die ich nach dem Weg zurück frage. Doch die haben ihre Mopeds und kennen sich aus. Ich dagegen strande in dem Dorf, das gar nicht mal so klein ist, immer wieder in Sackgassen und Hofeinfahrten und als ich schließlich dem breiten Weg eine Viertelstunde gefolgt bin, macht er einen so gewaltigen Schlenker um ein Massiv herum, dass ich einfach nicht mehr daran glaube, dass dies der direkteste Weg nach unten ist, und frustriert umdrehe. Unterwegs blicken mich Einheimische erstaunt an und fragen, wo ich denn hin wolle, nein, der Weg sei aber falsch... Quark, denke ich, die halten mich für einen überforderten Touristen, der sich nicht auskennt, können ja nicht wissen, dass ich auf diesem Weg auch hinaufgekommen bin! Nun aber hurtig...
Am Anfang ist noch alles wiederzuerkennen, aber plötzlich bin ich von Teeplantagen umgeben, die es hier doch vorhin beim Aufstieg noch nicht gab! Und prompt endet der Weg. Zurück. Wart mal, habe ich an diesem Holzhäuschen im Teefeld nicht vorhin gerastet? Nein, da war ein Baum. Diese Hütten sehen ja auch alle gleich aus! Und die Zeit drängt. Es ist schon nach sechs! Und schon wieder eine Sackgasse! Was ist denn das bloß? Himmel hilf! Ich denke an die Nacht von Monterrey: Damals fand ich auf einem Berg den Rückweg nicht vor Sonnenuntergang und musste dort oben übernachten – ein Horror! Nu’ mal ruhig Blut!, sage ich mir und bitte Jesus mal kurz um eine klare Wegweisung ("Weise mir, Herr, deinen Weg..."). Und als ich jetzt zum Ausgangspunkt des falschen Pfads zurückkomme, höre ich eine Landmaschine, die vorhin noch da stand, wo ich falsch abgebogen bin. Im Nu finde ich meine Orientierung wieder und es geht ohne weiteren Irrtum abwärts. Phasenweise rase ich die Hänge förmlich hinab, die äußeren und inneren Fliehkräfte sind enorm! Schließlich stoße ich auf den Teewanderweg. Dreißig Minuten später bin ich an der Hauptstraße. Nach zehn Minuten kommt auch schon ein Bus. Als ich gegen halb acht in Menghai ankomme, ist es schon dunkel. Ich schaffe es trotzdem noch, in einem dieser kleinen gelben Minitransporter nach Mengzhe weiterzureisen. Direkt neben dem Busbahnhof liegt ein nettes, gut eingerichtetes Gasthaus mit einer freundlichen Bedienung,

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