Im Manting-Park
Leider ist das Touri-Büro geschlossen. Das bringt mich etwas in Schwierigkeiten, denn die freundlichen jungen Damen hatten mir eine Tour bis nach Thailand vorgeschlagen. Ich habe aber die Karte verloren, auf der sie mir den Ort markiert haben, wo man ein Visum für Laos bekommen kann. Ich will jedoch nicht noch einen Tag in Jinghong verlieren. Ich lese etwas am Mekong und gehe dann unentschlossen in den Manting-Park, den traditionsreichsten Park in der Region, in den man hintenrum über den Tempelbereich ohne Eintritt reinkommt, wie ich bei meinem ersten Besuch vor ein paar Tagen festgestellt habe. Unterwegs komme ich an einer Hahnenkampf-Arena vorbei. Überall stehen Hähne in Holzkäfigen herum, und schauen krähend mit den Köpfen raus. In der überdachten Hauptarena, umstanden von Leuten, die wahrscheinlich Wetten abgeschlossen haben, geht es richtig zur Sache: King Cock hat Red Rooster soeben förmlich aus dem Ring gefegt. Da fliegen die Federn! Vorne in der Übungsarena dagegen geht es harmonischer zu. Da umarmen sich gerade Crazy Chicken und sein Sparringspartner Dumb Throat. Die Hähne umschlingen sich mit den Hälsen. Es erinnert sehr an Boxer, wenn einer klammert. Ein Gockel hackt dem andern kein Auge aus!
Abends fliege ich aus dem Park, weil es eine gesondertes Eintrittskarte für eine ethno-kulturelle Veranstaltung mit Tanz, Kostümen und Trommeln gibt, wie ich sie mittlerweile schon mehrfach gesehen habe. Am Eingang stehen schöne Frauen in traditionellen Trachten Spalier, während Touristen hereinströmen und jede einzeln fotografieren. Vor der Zhou-Enlai-Gedächtnisstatue (der berühmte Ministerpräsident nahm hier einst an einem Wasserspritzfest teil) haben sich derweil die Musiker und Tänzer postiert. Da ich nicht mal eine Karte für tagsüber habe, finde ich es nur gerecht, dass ich Manting-Park nun den Abendgästen überlasse.