Mengla
Ich habe mich entschieden, mich mal so langsam Richtung laotische Grenze vorzutasten. Etwa hundert Kilometer südlich, auf der neuen Schnellstraße vorbei an den wenigen verbliebenen Regenwald-Hängen, liegt Mengla. Ich stoße nach dem Aussteigen zunächst auf einen rührigen Kioskverkäufer, der ein mehrsprachiges Schild im Fenster stehen hat, auf dem steht: "Dieser Mann ist ehrlich. Man kann ihm vertrauen!", sogar in Deutsch und ohne Rechtschreibfehler! Trotzdem frage ich mich, wie vertrauenswürdig jemand ist, der diesen Satz so nötig hat, dass er ihn in so viele Sprachen hat übersetzen lassen. Er hat es besonders auf Währungstausch abgesehen und zeigt mir ein Portmonee mit Euro, US-Dollar und laotischen Kip. Ich weiß indes noch nicht mal, ob ich überhaupt nach Laos komme - ohne Visum. Doch der Kioskkönig macht mir Mut: Das Visum könne man doch dort an der Grenze kaufen. Ich bin weiterhin unschlüssig - das Privileg des allein Reisenden - und kaufe dem agilen Verkäufer erst mal ein paar Mandarinen ab.
Danach stoße ich auf ein sagenhaft billiges und sagenhaft schlechtes Hotel. Für umgerechnet fünf Mark kann man zwar nicht viel verlagen, nicht mal ein Handtuch, aber als der Abfluss im Waschbecken (kein warmes Wasser) in einem Moment nachlassender Aufmerksamkeit mein komplettes Stück Seife schluckt (ohne Wasserfluss, einfach so ab durchs Loch!), bin ich doch irgendwie bedient.
Den Rest des Tages verbringe ich mit einem Rundgang, Im tiefer gelegenen Teil der Stadt ist, wie an vielen anderen Orten auch, eine komplett neue Trabantenstadt aus dem Boden gewachsen. Noch weiter unten herrscht Trubel auf einem großen Markt.