Glückliche Fügung
Vor der Abreise muss ich nun noch schnell 30.000 krötige Kip ausgeben, denn ich habe das Wechselgeld für meine Yuan in Kip bekommen. Ich kaufe ein "Beng-Beng", das ist die thailändische Version von "Lion", Waffeln, die auf der vor mir liegenden Busfahrt einfach nicht weniger werden wollen, und Mandarinen. Ich bin so im Kaufrausch, dass ich die Abfahrt des Busses gar nicht bemerkt habe. Ich winke dem Fahrer kurz zu: Moment, nur noch 10.000 klägliche Kip, dann bin ich an Bord! Also schnell noch ein "Beng-Beng"!
Wieder bin ich nicht die einzige weiße Langnase im Bus. Ich lerne einen irischstämmigen Neuseeländer kennen, der in Changchun unterrichtet und gerne mal einen hebt, wie er bekennt (wie sollte es bei der Herkunft auch anders sein?), und direkt vor mir sitzt ein deutscher Abiturient, der schon zwei Monate auf einer thailändischen Insel ohne Strom hinter sich hat. An der Grenze, die wir nach einer knappen Stunde erreichen, gibt es keine Probleme. Die scheint aber ein völlig verwahrloster Spanier zu haben, der hinterm Zoll hilflos herumsteht und mich fragt, wie er weiterreisen soll, und mir erst mal ein wirres synkretistisches Traktat auf einem A4-Blatt aushändigt, ehe er unserem Bus zusteigt. Ich lese nur "Atman - espiritu - alma infinitesimal" und Jesus-Zitate neben Krishna- und Buddha-Zitaten. Die Überschrift lautet (übersetzt aus dem Spanischen): "Kleine ökologische Information". Als wir in Mengla eingetroffen sind, bringe ich den jungen Deutschen in dem Hotel unter, in dem ich vor ein paar Tagen noch Gast war, in dem ich aber zögere erneut abzusteigen, weil der Raum mit Internetzugang nicht frei ist, und den Spanier, der dringend um die billigste Absteige bittet, in der 5-Mark-Klitsche. Glücklich verabschiedet er sich von mir, nachdem ich die Verhandlungen übernommen habe. Der Neuseeländer nimmt gleich den nächsten Bus und reist weiter. Ich gehe im "Dico's" essen und entscheide dann ebenfalls weiterzureisen - nach Jinghong.
Dort treffe ich noch bei Tageslicht ein, bin aber leider an einem Ort rausgeschmissen worden, den ich nicht kenne. Ich folge meinem unterentwickelten Orientierungssinn und lande in einer mir dann doch bekannten Straße. Glückliche Fügung: Ich befinde mich in der Nähe der Busstation für Fernreisen und meine nächste Tour wird ja eine Fernreise - nämlich ins 500 Kilometer weiter nördlich gelegene Kunming. Ich nehme ein Hotel der teureren Kategorie (die Reisekasse ist noch voll). Es verfügt, angrenzend an einen eigenen Park, sogar über einen eigenen Swimmingpool, wirbt der Hoteljunge, der mich zu meinem Zimmer in Haus 8 führt. Das ist nun wirklich die Krönung und so heißt das Hotel auch: "Crown-Hotel". Anschließend erwerbe ich eine Fahrkarte für den morgigen Nachtbus. Abfahrt: 22.05 Uhr.